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Kanada,
USA, Flüsse, Wälder und Indian Summer 11.09.99
- 02.10.99 Ein
Reisebericht
von Wolfgang Müller, Nittendorf
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Samstag,
11.09.99 Der
IC 532 „Regensburger Domspatzen“ rollt am Frankfurter Flughafen aus. Die
Scheeer`s und wir schnappen unsere Koffer und Taschen und drängeln zum
Ausgang. Der
Tag begann heute schon um 06.00 Uhr. In der Morgendämmerung packen wir die
restlichen Sachen in unsere Koffer und Taschen, wecken Johannes, trinken noch
ein Tässchen Kaffee und starten in einen sonnigen Morgen. Johannes
lädt unsere Koffer ab, hilft sie, zum Bahnsteig zu tragen und verabschiedet
sich schließlich. Pünktlich
rollt um 08.29 Uhr der Zug ein. Wir klettern zunächst in den falschen Wagen,
am Platz 32 sitzt ein bärtiger Sachse, den ich höflich frage, wie das System
hier funktioniert. Der hat offensichtlich heute noch nicht ausgeschlafen und
reagiert äußerst pampig auf meine Fragen wie man hier die richtige
Reservierung herausbekommt.. Also zwei Wagen weiter mit dem ganzen Gepäck,
der Zug rollt schon! Wir
gleiten vorbei an Undorf, Laaber, Parsberg, Deining, Neumarkt im Sonnenschein,
auf Höhe Mausheim eine schöne Wiese mit Hexenringen. Hier sollte ich mal
nach Champignons Ausschau halten! In
Nürnberg steigen Scheers, begleitet von Jannie ein, ein kurzes Hallo an Jan
und schon fährt der Zug weiter über Würzburg, Aschaffenburg und Frankfurt`,
mit seinem Jugendstilbahnhofshalle, zum
Flughafen. Auf
Ebene C, am Schalter von Air Transat, eine lange Warteschlange. Ich laufe los,
während Scheers und Gabi am Check- In warten, um mir einen Handyshop zu
suchen, da Johannes von Handys erzählt hat, die keine Grundgebühr kosten,
und deren Chipkarte man nach Bedarf gegen Bezahlung aufladen kann (allerdings
kostet dann der Minutenpreis DM 2.--!). Im
Laden wird mir erklärt, dass es sowas zwar gibt, dies in Kanada aber nicht
funktioniert. (anderes Netz!). Also nix mit der schönen weiten Welt der
Telekommunikation! Auf
dem Rückweg kaufe ich Gabi noch ein Taschenbuch (Frank Mc Court: „Die Asche
meiner Mutter“), als ich zurückkomme, sind die Scheers und Gabi schon kurz
vor dem Schalter. Als
Günter mich fragt, was ich besorgt habe, antworte ich wahrheitsgemäß, was
dieser, wie ich später erfuhr, etwas merkwürdig findet, da ich vergaß, ihm
zu sagen, dass es sich um ein Taschenbuch handelte. Er nahm wohl an, ich hätte
einen poetischen Schlaganfall erlitten, behielt dies aber höflicherweise für
sich! Wir
warten noch eine Stunde, kaufen an einem Imbissstand noch eine sündhaft teure
Würstchensemmel mit Senf und eine Büchse Cola (12,50 DM, x 2 = 25 DM). Zu
guter Letzt drückt die Gabi die Semmel wohl etwas fest, so dass die Wurst
nach hinten aus der Semmel schießt und mitsamt einem dicken Senfbatzen auf
ihrem T-Shirt landet. Um
14.50 startet mit einer Verspätung von 35 Minuten unsere Maschine, eine,
bereits in die Jahre gekommene TRISTAR, mit, über dem Rumpf montiertem
Hecktriebwerk. Auf
nach Kanada! Über
den Wolken gleiten wir in den Nachmittag hinein. Vor uns ein Ehepaar, so in
unserem Alter, mit einem, schätzungsweise bereits 20 Jahre alten Sohn und
einer blondlockigen, süßen, zweijährigen Tochter, die über die Sitzlehne
mit Gabi schäkert. Im Flur wuselt ein ebenfalls zweijähriger dunkelhäutiger
Junge indischer Abstammung mit großen Augen und abstehenden Ohren und verschämt-
lächelnden Annäherungsversuchen, im Gang herum. Ansonsten
vergraben wir während des Flugs unsere Nasen in mitgebrachten Zeitschriften. Ein
Wermutstropfen ist meine schmerzende Hals- und Schultermuskulatur:
Offensichtlich hat sich an der Halswirbelsäule ein Nerv eingeklemmt! Ich habe
allerdings Medikamente dabei! Zwischenlandung in Montreal nach 7 ½ Stunden Flug, das Flugzeug leert sich halb. Irgendwie scheint die Isolierung nach außen nicht so ganz dicht zu sein, da von den Gepäckkonsolen Kondenswasser tropft, so dass die Leute in den Fensterbankreihen überall Taschentücher und Kopfkissen an die tropfenden Stellen halten. Nach
einer ¾ Stunde Aufenthalt fliegen wir weiter und landen nach 20 Minuten Flug
schließlich in Toronto. Es ist jetzt 18.30 Uhr Ortszeit, zuhause ist jetzt
Geisterstunde! Am
Stand der Fa. HERTZ Autovermietung die notwendigen Formalitäten, bis wir draußen
unseren Mini-Van, einen geräumigen, silbergrauen Ford- Siebensitzer-
Automatik, mit 5 Türen, Klimaanlage und getönten Scheiben, entgegennehmen können. Hinein
in den geschäftigen Abendverkehr auf der 6- spurigen A 410 Richtung Westen,
bis Günter, der Copilot, nach 20 Minuten merkt, dass wir in die falsche
Richtung fahren. Also
wieder Umkehren und in der Abenddämmerung
nach Downtown Toronto. Nach
45 Minuten Abfahrt über die Morningside Avenue zur Kingston Road. Ich
habe von Zuhause aus über das INTERNET schon ein Motel dort ausgemacht, das A
Lido Motel und telefonisch dort zwei Zimmer bestellt. Als
wir dieses nach längerer Hin- und Herfahrerei schließlich finden, erklärt
uns eine fast zahnlose Alte an der Rezeption, die Zimmer wären schon
vergeben, wir hätten schon um 18.00 Uhr da sein sollen! Auf meinen Einwand
hin, ich hätte schon beim Telefongespräch gesagt, daß wir erst um ca. 20.00
Uhr eintreffen können, zuckt sie nur die Schultern: No Vacancy! Allerdings
macht das Motel von außen einen ziemlich vergammelten Eindruck, so dass wir
nicht allzu ärgerlich sind. Die
gleiche Antwort erhalten wir noch Dreimal die Straße in Toronto-Scarborough
hinunter, bis wir schließlich im Maple Leaf- Motel für 79 Dollar/Nacht
brauchbare Zimmer bekommen. Ein
kurzer Abendbummel, die Straße hinunter, führt und zu einer Takeaway-
Pizzeria, wo wir für 3,25 kanadische Dollar (ca. 5 DM) ein großes Pizza-
Dreieck, eine Büchse Cola und eine Tüte Tacos erstehen, die wir im
Motelzimmer verdrücken. Meine Schulter schmerzt nun ziemlich stark, so dass
ich mir das mitgebrachte Heizkissen einschalte. Sonntag,12.09.99 Unter
der Skyline parken wir auf einem bewachten Parkplatz, lösen mit Scheckkarte
die Parkzeit und laufen los.
Drinnen
sind überall die Tische der Trödler aufgebaut, links neben dem Eingang in
der Halle eine Snackbar mit einigen Tischen davor. Wir
beschließen, hier zu frühstücken, bestellen Schinken mit Ei und
Bratkartoffeln, (Günter mit
Grillwürstchen) und Amerikanerkaffee (d.h.: malzkaffeähnlich, verdünnter
Geschmack). Anschließend
bummeln wir durch die Auslagen, das Angebot ähnlich, wie auf allen Trödelmärkten,
nur amerikanisch- kanadisch eingefärbt. Weiter,
Richtung Innenstadt. Ein eigentümlicher, roter, schmaler, sich nach hinten
verbreiternder, viktorianischer Backsteinbau,
mit schwarzgestrichenen, eisernen Feuerwehrtreppen an der Seite und
surreal bemalter Rückfassade, bildet den Eingang in die Glastürme der
Skyscraper. Alte Bauten des letzten Jahrhunderts spiegeln sich in den
Glasfassaden, die in den wolkenlosen Himmel ragen. Die sonntägliche Stadt
strahlt eine gemäßigt- geschäftliche Ruhe aus, etliche Geschäfte und
Restaurants haben geöffnet, entlang der Young- Street die Edelboutiquen,
Richtung Spadina- Street eher kleine Sammelsuriumsläden, in denen von Cola
bis zu Jeans allen Mögliche verkauft wird. In
der Spadina auch das Easton- Centre: eine dreistöckig glasüberdachte
Flaniermeile mit zahllosen Ladengeschäften. An einem Stand kaufe ich ein
Massagegerät für meine Schulter, in einem Schuhgeschäft die englische Marke
„Clarks“, hier deutlich günstiger wie zuhause. Unter
der Glaskuppel schweben Gänse aus Metall. Jedes
Stadtviertel hat seine eigene Prägung und Publikum, was sich schon um die nächste
Straßenecke abrupt ändern kann: Im oberen Teil der Spadina- Street z.B.
vorwiegend
Es
gibt alles zu kaufen, was die chinesische Küche zu bieten hat: Säcke mit
getrockneten Pilzen, Bohnen, Ingwer, Ginseng, Schwalbennester, getrocknete
Seepferdchen, Muscheln, gedörrte Flughunde und zahllose unbekannte Dinge,
manchmal vielleicht gut, dass wir nicht wissen, was das gerade ist.. An
Ständen mit Obst und Gemüse: Chinakohl, Pak Choi, Leeches,Drachenfrucht,
frischer Ingwer, zwischen Äpfeln, Birnen und kalifornischen Pflaumen. In
einer China- Apotheke erstehe ich Ultra- Balm gegen meine schmerzende Schulter
und Tiger- Balm, ein duftendes Allheilmittel in kleinen Döschen. In
einem Teeladen kaufen wir grünen, chinesischen Tee, das Pfund für 40 Kanada-
Dollar.
Es
ist jetzt Nachmittag. Wir fahren die 400 entlang in ein kleines Vorstädtchen
mit deutsch klingendem Namen: Kleinburg . Am Eingang liegt im Wald das Mc. Michael-
Collection -Centre. Die
beiden Brüder, die das Zentrum Anfang des Jahrhunderts aufgebaut hatten,
waren Kunstsammler und widmeten sich insbesonders der Kunst der Inuit. Sie
vermachten Sammlungen und Wohnhäuser dem Staat, leider hat die Gallery, jetzt
um 17.00 Uhr gerade geschlossen, so dass wir uns nur ansehen können, was in
dem angegliederten Geschäft an Eskimokunst ausgestellt ist:
Schnitzereien aus Walknochen, kleine Steinplastiken, gefärbte
Textilien.
In
einem Universalladen (Laden, Snackbar, Eisdiele, Videoverleih, Lottogeschäft)
sitzen wir in den Auslagen und
essen Fish & Chips und Banquetburger . Heimfahrt:
Irgendwo brennt es: Uns kommen grellgelb gestrichene Feuerwehrautos mit lautem
Getöse entgegen. Fahrt auf teilweise16-
spurigen Highways. Gegen 21.00 Uhr gehen wir ins Bett. Montag,13.09.99 Um
08.00 Uhr, pünktlich, fahren wir weiter. Stadtauswärts
über den Highway 410 , Richtung Kingston.. Nachdem wir die letzten Ausläufer
von Toronto hinter uns gelassen haben, wird der, anfangs dichte Verkehr etwas
ruhiger. Hinter uns, eine Wolkenfront, die wir rasch hinter uns lassen. Das
Land ist flach, die Straße ist gesäumt von Laubwäldern aus Eschen und
Eichen, Spitzahorn, Trauerweiden und im Unterwuchs aus Essigbäumen. Weitläufige
Farmen mit Holz- und Wellblechscheunen in der Ferne, dazwischen rostig-grüne
Maisäcker, Wiesen und Stoppeläcker, vereinzelte Bäume leuchten schon
herbstlich herüber. Bei
Newcastle fahre ich auf Verdacht ab, um dort ein Frühstück zu ergattern. Das
ländliche Örtchen strahlt gemütliche Morgenruhe aus, mit gedämpfter
Betriebsamkeit: Die Kinder werden
zum gelben Schulbus gebracht, die Morgeneinkäufe in den wenigen kleinen Lädchen
getätigt. Eine freundliche Frau weist uns auf meine Frage nach einem Frühstückslokal,
den Weg. Das
kleine Restaurant strahlt ländliche Gemütlichkeit aus. Die Wirtin mit sauber
gesteifter Schürze nimmt unsere Bestellung auf: Pancakes mit Bacon, Butter
und Ahornsirup, rustikaler Toast mit Rührei und Bratkartoffeln, dazu relativ
gut schmeckender, wenn auch amerikanisch dünner Kaffee, auf den Papiersets
Kleinanzeigen örtlicher Läden, Handwerker und Ärzte. Weiterfahrt
nach Kingston. Das
flache Land geht über in eine sanfte Hügellandschaft. In
Kingston kaufen wir in einem Supermarkt Lebensmittel, dann quartieren wir uns
in einem Super 8 - Motel am oberen Ende der Princess- Road ein. Der
Besitzer, ein freundlicher Mann indischer Abstammung, weist uns in die
Bedienung der, in Toronto gekauften Telefonkarte ein: Telefonieren ins Ausland
ist hier eine genauso umständliche, wie zeitraubende Angelegenheit mit sieben
Siegeln, genau so, wie in den USA. Entstanden
ist diese schärenähnliche Landschaft im Süßwasser des Ontariosees, nach
der letzten Eiszeit. Aussteiger, re Die
Grenze zu den USA verläuft mitten durch das Inselreich, so daß wir zeitweise
auch amerikanisches Gewässer befahren.
Dieser Umstand und die Möglichkeit
Die
Betreiber der Thousand Island Bridge, einem ebenso imposanten Brückenbauwerk,
kauften es schließlich 1977 zusammen mit dem ebenso imposanten Yachthaus und
ließen die beiden Gebäude, heute Touristenattraktionen aufwendig
restaurieren. Zurück
am Landesteg telefoniere ich noch mit Toos , sie gibt uns den Tip, morgen über
Ottawa, den Ottawa- River entlang zu fahren. In einem Alkoholika- Laden kaufen
wir noch kanadisches Bier. In
Kingston beginnt es bereits zu dämmern, der Himmel ist bedeckt, die Luft aber
ist warm. Wir
beschließen einen kleinen Abendbummel, vorbei an Neugotischen Kirchen,
kanadischen Gründerzeitvillen mit Türmchen und Erkern, weißen
Fensterrahmen, bunt gestrichenen Läden, klassisch- amerikanischen Säulenportalen
und Jugendstilfenstern, aus denen gemütliches Licht auf die Straße scheint:
Ein hübscher Ort, auch Charles Dickens, der Dichter, schwärmte letztes
Jahrhundert schon von hier! Die Flaniermeile Princess - Street, gesäumt von
zahlreichen Läden: Buchantiquariate, Einrichtungsgeschäfte, Ramsch- und
Kunstläden, gemütliche Kneipen und Restaurants unterschiedlichster
Konvenienz. Gegen
20.00 Uhr setzt warmer Regen ein, wir fahren im Dunkel in unser Motel, der
Besitzer hat die Schreiner im Haus, die gerade in einer Nische ein Einbauschränkchen
zimmern.. Abendessen
in unserem Zimmer mit dunklem Leinsamenbrot, Rinderschinken mit Knoblauch,
Tomaten, Salami und Käse, dazu das gekaufte Dosenbier. Dienstag,
14.09.99 In
der Rezeption unseres Motels gibt es heißen Kaffee. Wir sitzen auf den Betten
in unserem Zimmer und frühstücken von den Resten, die wir gestern
mitgebracht haben. Um
08.45 Uhr starten wir schließlich in den Morgen. Der
Himmel ist wolkenverhangen, als wir die 401 stadtauswärts fahren, allerdings
nicht lange, bis wir in die 438 einbiegen.
Die
Landschaft wird langsam etwas welliger und seenreicher, bei der kleinen
Ortschaft Portland halten wir und blicken am „Kommunalstrand“, einem 10m
breiter Streifen Sand, auf den ruhigen, dunstigen See hinaus. Bei
einer kleinen Bank wechselt Günter einen Traveller- Scheck. Der
Ort wirkt etwas verlassen- ärmlich, die Holzhäuser könnten etwas Farbe
vertragen. Das einzige, winzige Restaurant im Ort hat nur Freitag- Sonntag geöffnet
und wirkt nicht sehr vertrauenserweckend. Zurück
auf der Hauptstraße beginnt es zu regnen, ich stelle den Tempomat des Ford
Windstar auf konstant 90, lehne mich zurück, nehme den Fuß vom Gaspedal und
lasse die Landschaft an mir vorübergleiten Unterwegs
halten wir zwei Mal, um uns die Vegetation und die Landschaft näher zu
betrachten: Das
erste Mal ist der Bewuchs lückenhaft und karg, die Humusauflage nur dünn,
die Landschaft fast heideartig, wobei statt Wacholdern hier wilde Lebensbäume
wachsen. Dazwischen
Herbstastern mit ihren blassblauen Körbchen und niedere Ranken der
Wildform des echten Weins mit kleinen, blauen , süßsauer schmeckenden
Beeren. An
der zweiten Stelle ist der Wald höher, mit Ahornbäumen, die schon Ansätze
herbstlich- bunten Laubs zeigen, hohen Lebensbäumen, Kanada- Fichten, Birken
und Faulbäumen. Der Boden ist moosbedeckt. Gestielte
Postkästen markieren Einfahrten in den Wildwuchs am Straßenrand,
Schotterwege führen zu den Häusern der Streusiedlungen im Wald. Ein
Stopp in Spring- Falls, einem kleinen Unterzentrum, geprägt von Tankstellen,
Geschäften und Fast- Food- Restaurants. Bei Horton`s, der kanadischen Version
einer Schnellcafe`kette schlürfen
wir sehr süße, heiße Schokolade und ebenso süßen French- Vanilla- Kaffee,
dazu Donuts, Preisselbeergebäck und köstliche, luftige, fettig- süße
Strauben (nach meinenm Geschmack!). In der Glasvitrine: Schwarzwälder
Kirschtorte (Black Forest- Cake) kanadischer Art. Weiter
auf der Landstraße Nr.4. Ontario,
die Hauptstadt, ist eine geschäftige, moderne Stadt, die wir heute aber nur
durchfahren, um später, auf der Rückreise von Quebec, wieder hierher zu
kommen. Sie ist gleichzeitig Grenzstadt zwischen dem englisch- und dem französischsprachigem
Teil Kanadas: Sobald wir den Ontario- River überquert haben ,sind alle
Schilder, Geschäfte und Restaurants auf Französisch.
So
müssen unsere Flüsse in Europa auch einmal ausgesehen haben, bevor sie in
ihr Korsett gezwungen wurden: Lebendig, ausufernd, mit ausladenden Feuchtflächen
in der weitläufigen Aue, jede Menge Platz, um Hochwässer in einer Landschaft
zu verteilen, die eine pralle Fülle von Pflanzen und Tieren zeigt, die diesem
semiaquatischen Lebensraumtyp angehören. An
den Ufern staken Fischreiher durch das Wasser, hier gibt es auch Sumpfschildkröten,
auf, im Wasser treibenden, modernden Ästen hocken dicke, braungrüne Frösche.
Weg
vom Ontariofluß über Lachute nach
Morin Heights. Das
Gelände wird bergiger, hier ist Kanada pur! Zwischen
den bunt werdenden Ahorn- Birken- Fichten- Mischwäldern, eingebettet in die Hügel:
Seen, kleine Hochmoore mit leuchtend grünem Torfmoos, schwarzen Tümpeln
und verkrüppelten Baumruinen.
Ein
überaus herzlicher Empfang durch unsere Gastgeber für die nächsten beiden
Tage, bei klassischer Musik. Wie immer, sind Coen und Toos sehr nette,
aufmerksame Gastgeber, Günter und Marlene sind als unsere Freunde, die die
Beiden noch nicht kennen, sofort willkommen. Coen
hilft uns, unser Gepäck in die beiden Schlafzimmer unter dem Dach zu tragen.
Als Willkommenstrunk ein Glas Sherry im Wohnzimmer. Das
Holzhaus mit Wintergarten ist sehr adrett und sehr geschmackvoll- gemütlich
eingerichtet und liegt sehr idyllisch, mitten im Wald auf einer gepflegten
Wiese. Hinter dem Haus: Ein Swimmingpool mit hölzernem Umlaufsteg un Geländer. Eine
kleine Spätnachmittagswanderung führt uns durch den Wald der Umgebung, am
Wegesrand zwei verschiedene Bärlapparten (Lycopodium). Toos
hat inzwischen unser Abendessen bereitet: Ein typisch kanadisches Essen, wie
sie uns erklärt: gepökeler Schhinken in
Ahornsirup gegart, dazu Karotten/Erbsengemüse, Kartoffelbrei und Salat. Bei
gutem Wein und angeregten Gesprächen beschließen wir den Abend. Coen erweist
sich, wie immer, als sehr unterhaltsamer, geistvoller Gesprächspartner mit
dem richtigen Humor am richtigen Fleck. Bei ihm merkt man, wie Bildung,
gepaart mit Wissen, eine runde Einheit bilden können, eine Eigenschaft, der
man nicht sehr häufig begegnet. Toos ist, wie immer, eine sehr aufmerksame
und einfühlsame Zuhörerin, auch mit ihr ist eine Unterhaltung stets ein Genuß! Gegen
22.30 Uhr gehen wir schließlich ins Bett. Mittwoch,15.09.99
Danach
erwartet uns Toos am gedeckten Frühstückstisch, es gibt Kaffee, Eier, Wurst,
Marmelade, dazu verschiedene Brotsorten. Wir
fahren nach Norden. Am See, in St.Adolphe
halten wir bei der blau- weiß leuchtenden Dorfkirche
auf dem Parkplatz und laufen hinunter zum blau schimmernden Wasser.
Oberhalb
des Lac de Montagne Noir bei St.- Donat halten
wir auf einem Parkplatz und schnüren unsere Wanderschuhe. Es
geht bergauf durch einen hohen. Lichten Wald aus Ahornbäumen, Birken,
Elsbeere, Buche und, vereinzelt, Fichten. Coen legt ein flottes Tempo vor,
sein, in Australien gekaufter Strohhut ist als Letztes zu sehen, als er nach
wenigen Minuten hinter einer Biegung verschwindet. Die Sonne malt lichte
Flecken in das Laubwerk und auf den Pfad, auf dem wir aufwärts gehen.
Unser
Weg führt uns an zwei kleinen, einsamen Bergseen, auf dem Ersten, Größeren,
schwimmt ein entenpaar, ein Biber hat im See, in Ufernähe seinen Bau
errichtet. Weiter
bergauf, ca. ½ Stunde später, wird es felsiger,
von Stein zu Stein, dazwischen schwarzer, manchmal morastiger
Waldboden, hüpfen wir bergauf. Am
Ziel unser Wanderung: Ein Stück trauriger kanadischer Geschichte:
Die
Männer wären heute, wenn noch am Leben, Großväter! Nachdem
wir uns, zurück am Auto, mit Selterwasser, Paprika- Nachos, Cherry- Cola und
Pflaumen gestärkt haben, fahren wir weiter, in den Nachmittag hinein zum
Mont- Tremblant- Prov. Park.
Gegen 16.30 Uhr treffen wir dort ein. Der Park wird um 17.00 Uhr geschlossen
(man kann dort zwar noch rausfahren, aber nicht mehr hinein!). Die
Asphaltstraße wechselt bald in eine Schotterpiste. Inzwischen
sind Wolken aufgezogen, aber immer noch mit blauen Stellen.
Die
Seen zeigen unterschiedliche Verlandungsstadien, mit abgestorbenen Bäumen,
Seggen und Torfmoosen am Ufer, der Wald spiegelt sich im Wasser. Die
Bäche stürzen gelegentlich wild, über Schnellen und Wasserfälle zuu
Tal..Auf dem Weg hinaus begegnen uns nur noch wenige Fahrzeuge, wir
überlassen den Park einsam und stil der Abenddämmerung hinter uns,
als wir das Schrankenhauschen am Ausgang passieren. Heimfahrt
über den Hwy 117 und 15, am Horizont sind die Wolken purpurrot gesäumt. Abendessen
bei Coen und Toos: Toos hat einen Römertopf mit einem Weißkrautauflauf mit
Hackfleisch und Kartoffeln, mit Käse überbacken, im Ofen stehen, den sie nur
noch heiß zu machen braucht. Dazu gibt es ein schönes Gläschen Rotwein, bei
angeregter Unterhaltung bis spät in den Abend hinein: Um 23.00 Uhr gehen wir
zu Bett. Donnerstag,
16.09.99 Toos
hat uns angeboten, unsere schmutzige Wäsche zu waschen, die bisher angefallen
ist. Wir packen sie in einen Wäschekorb aus der kleinen Abstellkammer in
unserem Schlafzimmer. Nach
dem Frühstück fahren wir wieder Richtung Norden, vorbei an dem Örtchen
Seize Isles . Toos ist
zuhause geblieben, da heute der Schornsteinfeger kommt. Hier,
auf dem See sind auf den 16 Inseln ebenfalls, ähnlich, wie in Kingston,
kleine Inselparadiese für die Besitzer, In
der Nähe von Weir halten wir an einer Satellitenfunkstation, einst, zu Zeiten
des kalten Krieges, militärisch genutzte Radioteleskope dienen heute der
Telekommunikation. Bei
Arundel, auf einem Kalvarienberg, mit eisernen, braun gestrichenen, überlebensgroßen
Figurengruppen, die die Leidensgeschichte Christi zeigen, ein schöner
Rundblick über das Land.
Die
adrette Auberge im Ort, früher eine Unterkunft müder Eisenbahnreisender,
ist, wie Coen uns schildert, gut und preiswert, er hat selbst schon hier zu
Zeiten übernachtet, als sie aus Zevenhofen hier ihre Tochter Esther
besuchten. Mont
Tremblant ist das Abfahrtsskizentrum der Gegend. Wir
fahren mit der Kabinenseilbahn auf den Gipfel, vorbei an den, jetzt kahlen,
im Sommer als Ralleypisten für Mountainbikefahrer genutzten
Abfahrtsschneisen. Der
Rundblick a
Die
Häuserzeilen mit bunten Dächern und Fassaden sind reichlich gegliedert, mit
Dachgauben, Erkern und Fensterbalkonen, im Erdgeschoss:
Ladengeschäfte, elegante Boutiquen, Kunstartikelgeschäfte. In
einer Chocolaterie kaufe ich leckere Nussschokoladestücke, die wir auf einer
Parkbank zusammen mit den Sandwiches, die uns Toos als Wegzehrung mitgegeben
hat, verspeisen. In
einem Cafe` lassen wir uns zum Nachspülen noch Cafe`o`lait und Mokka
einschenken. In
einem Kunstgewerbeladen kaufe ich eine CD mit schöner Klaviermusik und
Naturgeräuschen. Coen scheint hier häufiger Gäste herbringen, da ihm der
Ladenbesitzer eine kleine Provision gibt, die er mir später zusteckt.
Anschließend,
im Drugstore noch ein Mittel für Gabi als Verdauungshilfe und Aspirin, das
bier sehr billig ist. Nebenan im Supermarkt erstehe ich noch Birnen und eine
Styroporbox zum Kühlhalten von Getränken im Auto. Zuhause
angekommen korrigiere ich noch ein bißchen an diesem Tagebuch, bevor wir zum
Aperetif ins Wohnzimmer hinuntergehen. Gegen
20.00 Uhr kommen Esther und Reynald zu Besuch. Esther
hat sich in den 16 Jahren, seit ich sie das letzte Mal gesehen habe, obwohl
sie inzwischen 5- fache Mutter ist, kaum verändert, im Gegenteil: sie wirkt hübscher
als je zuvor! Vor
mir steht eine schlanke, blonde Frau mit blauen Augen und
den markanten Gesichtszügen, die ihre Abstammung nicht verleugnen, die
uns mit breitem Lächeln begrüßt. Es
ist, als ob wir uns erst gestern gesehen hätten, sofort sind wir ins Gespräch
vertieft. Auch
Reynald, schlank, mit schwarzen Haaren und Brille, erweist sich als lebhafter
Gesprächspartner. Da er aus der Gegend von Quebec stammt, kann er uns noch
wertvolle Hinweise für unsere Weiterreise geben. Auch
für dieses Abendessen hat sich Toos wieder viel Mühe gemacht. Es gibt einen
Gemüseauflauf, wohlschmeckenden Nachtisch mit heißem Applepie, Vanilleeis
und Sahne. Das
Abendessen und die anschließende Weinrunde verlaufen unter angeregten, fröhlichen
Gesprächen, es ist Mitternacht, als sich Esther und Reynald verabschieden,
draußen regnet es, so dass Coen die Beiden mit einem, auf der Unterseite geblümten
Schirm, nach draußen begleitet. Schließlich sinken wir müde in unsere
Betten. Freitag,17.09.99 Eigendlich
wollten wir heute nach Quebec weiterfahren und uns Montreal erst auf der Rückreise
ansehen. Coen und Toos haben uns aber angeboten, da Montreal nur eine Stunde
Fahrt entfernt ist, heute dorthin
zu fahren und noch einmal bei ihnen zu übernachten. Wir
nehmen gerne an, auch weil es bei den Beiden wirklich sehr schön ist. So
fahren wir am Morgen in die Stadt. Weit
im Süden, über Florida und Pennsylvania tobt ein Wirbelsturm, die
Nachrichten sind voll davon. Dessen langer Arm reicht bis zu uns herauf, es
regnet in Strömen und der Wind ist böig. In
Montreal parken wir in der Innenstadt auf einem bewachten Parkplatz, der Wächter
nimmt unsere Autoschlüssel entgegen, bevor wir loslaufen.
Weiter
geht es durch Häuserschluchten und die riesige Metrostation zur Chinatown,
die allerdings lange nicht so originell ist, wie in Toronto. Der
Wind stülpt ständig unsere Regenschirme um und peitscht Regenschauer durch
die Häuserschluchten, nach einiger Zeit hängt die eine Seite von Gabis
Schirm herab, wie der gebrochene Flügel einer Ente: Zwei Streben sind
geknickt! Bei
einem Mc.- Donalds flüchten wir ins Innere und wärmen uns bei einem Big Mäc
auf. Ein,
ansonsten ordentlich gekleideter Mann Mitte Dreißig, bietet sich an, die
Tabletts abzuräumen und isst die Reste, die die Leute übrig gelassen haben,
auf. Wir
laufen weiter, zur ehemaligen Markthalle, ein langgezogener Bau mit einer
Kuppel in der Mitte, aus dem letzten Jahrhundert. Das
Gebäude beherbergt heute elegante Ladengeschäfte und Boutiquen, im
Obergeschoss ist eine Fotokunstausstellung, die ich mir ansehe. Die
Altstadt hier ist aus steinernen Häusern erbaut, es wirkt ein bisschen, wie
in Londons Altstadt. Ein
Geschäft mit dem Namen Excalibur verkauft mittelalterliche Kleidung, Rüstungen,
Kettenhemden, blitzende Schwerter und Fantasy- Artikel. Wir kaufen für unsere
Kinder, für Weihnachten, Gürtel aus Kettengliedern und Drachenschnallen. Wieder
zurück, im Geschäftszentrum die weitläufige, teilweise unterirdische
Einkaufsstadt des Eaton- Zentrums. Der
Eaton- Konzern ist pleite und verkauft seine Waren zum halben Preis, so dass
hier dichtes Gedränge herrscht. In einem Laden erstehen wir für Stephan 2
Hosen, herabgesetzt auf 29$.
Am
Hang prächtige, schlossartige Villen, aus Stein gebaut. Der Gipfel ist ein
weitläufiger Park, auch der städtische Friedhof befindet sich hier. Es
hat aufgehört zu regnen, die Wolkendecke reißt vereinzelt auf, manchmal
blinzelt die Spätnachmittagssonne zaghaft hindurch. Die
Damen bleiben, erschöpft vom Regen, im Auto, während Günter und ich zum
Belvedere, dem Aussichtspunkt, durch den Park laufen. Überall hoppeln
handzahme Eichhörnchen durch den Park. Am Aussichtspunkt ein weiter Blick über
die Stadt. In der Halle am Gipfel, die leider schon geschlossen hat, ein
Diorama an der Wand zur Geschichte Montreals, wie uns Coen sagte. Auf
der Heimfahrt halten wir noch an einem großen Supermarkt und kaufen Wein, Käse,
Weintrauben und andere Snacks, um uns für unsere Bewirtung bei unseren
Gastgebern zu bedanken. Den
Hwy 15 zurück nach Morin- Heights durch die Abenddämmerung. In Morin Heights
essen wir in einem kleinen Restaurant mit französisch- kanadischer Küche zu
Abend, ich bestelle eine Gemüsesuppe und Fisch mit Reis,, die Anderen mögen
es vegetarisch. Der Wirt freut sich, dass er deutsche Gäste hat und erzählt
es stolz den anderen Gästen. Gegen
21.30 Uhr sind wir wieder in Blue Hills. Coen und Toos sitzen vor dem TV bei
einem Bergsteiger- Actionfilm von Sylvester Stallone. Anschließend sitzen wir
noch vor unseren Snacks und unterhalten uns noch zwei Stündchen, bis wir ins
Bett gehen. Samstag,
18.09.99 Abschied
von Coen und Toos. Wie ein Spuk sind die Reste des Wirbelsturms heute Nacht über
uns abgezogen, als ich morgens erwache, um am Tagebuch zu schreiben, scheint
draußen die Morgensonne unter wolkenlosem, stahlblauem Himmel, auf die Wipfel
der herbstlichen Ahornbäume des Waldes am Haus. Wir
packen unsere Sachen und tragen sie die Holztreppe hinunter zum Auto, während
Toos in der Küche das Frühstück bereitet. In
Saint Sauveur halten wit an einem Lewis- Geschäft. Die Sachen sind hier
erheblich billiger als zuhause! Wir kaufen für uns und unsere Kinder Jeans,
Pullover und Hemden für umgerechnet 600 DM. Da
wir nicht af die Autobahn möchten,
fahren wir auf der 158 Richtung Quebec.
Weiter
geht die Straße am St. Lorenzstrom entlang. Es ist warm, die Nachmittagsonne
bescheint weitläufige Felder, Maisfelder und Wiesen, Scheunen mit bunten Dächern,
silbern glänzende Hochsilos: Hier ist eine der Kornkammern Kanadas! Am Straßenrand
bieten Stände Äpfel und Kürbisse feil.
Gegen
18.00 Uhr biegen wir von der Hauptstraße ab und fahren nach Pont Rouge, das
am Fuße eines kleinen Nationalparks liegt, ein Örtchen, das im Sommer Angelmöglichkeiten
nach Lachs und Forelle, im Winter ausgedehnte Langlaufloipen zu bieten hat. Hier,
im Motel Bonne Air, das ich zuhause schon im Internet ausfindig gemacht habe,
logieren wir uns ein. Ich
setze mich noch ein Viertelstündchen mit einem Stuhl auf die kleine
Holzveranda hinter dem Haus in die untergehende Abendsonne, mit Blick auf
einen gepflügten Acker und den Waldrand. Gegen
20.00 Uhr gehen wir vor zum hauseigenen Restaurant. Nachdem
uns die freundliche, mütterlich- kompakte Bedienung die Plätze zugewiesen
hat, bekommen wir Tomaten/Karottensuppe mit Zwiebeln, vorzügliche Spaghettis
und Pizzas serviert, meine 14`` - Pizza ist so gigantisch, daß ich sie sie am
Nebentisch auf einem Rechaud serviert bekomme, um sie warm zu halten. Dazu
gibt es in einer Karaffe serviert, leichten Rotwein. Gut gesättigt, sinken
wir gegen 22.30 Uhr ins Bett. Sonntag,
19.09.99 Schon
von der Autobahn 40, in der Ferne, ein imposanter Anblick. Auf die Stadt zu,
wird der Verkehr immer dichter. Wir fahren zunächst zu einem Hochhaus, das
laut Reiseführer im 32. Stock einen Rundblick über die Stadt und ihre
Umgebung bieten soll.
Der
Ausblick ist wirklich großartig: Die Stadt liegt ausgebreitet unter uns, vor
den Fenstern: Tafeln mit Erläuterungen zur Geschichte von Quebec. Auf
dem Weg zur Stadt: Vorbei an der alten, türmchenbewehrten Kaserne und dem prächtigen,
schlossartigen Hotel du Parlament. Die
Stadt ist umkränzt von einer Stadtmauer mit Schiessscharten für die Kanonen,
die
Die
Fensterläden, Balkone und Erker der Steinhäuser sind bunt bemalt, ausladende
Blumengehänge an den Balkönchen, auch die neugotisch- und -romanischen
Kirchen erinnern an französische Vorbilder. Überall sind Strassencafe`s und
Restaurants mit französisch geprägter Küche, allerdings verrät das eine
oder andere Mc..Donalds- oder Tim Horton- Emblem, dass wir nach wie vor in
Kanada sind. Ein
Stand in der Nähe des Chateau Frontenac bietet eigenwillige, handgefertigte,
elegante Strickjacken dar, von denen sich Gabi eine kauft, nachdem sie sie
lange unter Anweisung der Verkäuferin probiert hat und wir von einer Parkbank
aus zugesehen haben. Unser
Rundgang führt uns wieder an die Stadtmauer, mit Blick auf den Hafen, dann
zurück in die Einkaufsstraße St.-Jean, wo sich Marlene ein Paar
Schuhe kauft und wir, in einem Jeansladen für Johannes noch zwei Cargo- Hosen
mitnehmen. Wir
fahren stadtauswärts in einen
Vorort, der dem Reiseführer nach ein Huronendorf zeigen soll, zusammen mit
indianischer Kunst. Nach
langem Umherirren finden wir es schließlich. Die Häuser der Hauptstraße
unterscheiden sich nicht von denen anderer Vorstädte, mit der Ausnahme, dass
in dem einen oder anderen Vorgarten ein Sperrholzwigwam steht, oder die
„heimisch- Kunst“ - Läden Pseudo- Indianerkitsch feilbieten.. Im
palisadenbewehrten „Original - Indianerdorf“, dessen Eintritt von 8 $ wir
erst gar nicht bezahlen, laufen auf „indianisch“ geschminkte
Collagestudenten vor qualmenden Feuerchen herum, auf dem Parkplatz zahlreiche
Touristen- Busse. Was
ist aus den, einst so stolzen Huronen geworden, nach denen hier in Kanada noch
riesige Landstriche (Lake Huron) benannt sind? Nur zwei spielende Kinder vor
einem Einfamilienhaus zeigen indianische Gesichtszüge! Hals
über Kopf entfliehen wir dieser perversen Karikatur. Auf
der Heimfahrt fahren wir noch zu dem kleinen Nationalpark in der Nähe unseres
Motel- Orts Pont Rouge.
Eine
Entendame schwimmt zu uns heran und putzt sich auf einem Stein ausgiebig. Abendessen
im Motel mit Pizza- Frites und Pizza- Spaghetti- Combo und zwei Karaffen
Rotwein, im Nebensaal eine Tanzveranstaltung. Montag,
20.09.99 Heute
ist es dunstiger als gestern. An Quebec vorbei, am Ufer des Lorenz- Stromes
entlang, fahren wir auf der 138 Richtung Tadoussac. Das
Land wird zunehmend bergiger und bewaldeter. Rot leuchten die Inseln der
Blutahornbäume aus dem Mischwaldmeer zu uns herüber. An
einem Schotterplatz rechts der straße halten wir an, Günther und ich überqueren
die Straße und laufen den Steilhang hoch auf der Suche nach Fotomotiven. Auf
dem moosigen Boden die bingelkrautähnlichen Blattquirle der Clintonia mit
ihren roten Beerentrauben, am Waldrand herbstliche Farben zum Sattsehen. Oberhalb
Baie St.Paul ein herrlicher Ausblick auf die Bucht vor uns und den immer
breiter werdenden St. Lorenz- Strom.
Ein
elegantes weißes Holzhaus mit Veranda gegenüber unserem Parkplatz lädt zu
einer Besichtigung ein. Eine Reihe von lokalen Künstlern hat hier ihr
Domizil, das ganze Haus ist Ausstellungsraum. Eine
mächtige Kirche mit zwei spitzen Türmen läutet zur Mittagsstunde, als wir
die Hauptstraße entlang laufen, in den Schaufenstern der pittoresken Häuser
Bilder und Kunsthandwerk. Weiter,
Richtung Tadoussac durch bergiges Gelände, auch die weiteren Ortschaften und
Weiler sind Künstlerkolonien., überall laden Schilder mit übergroßen
Paletten und stilisierten Pinseln zum Betrachten der jeweiligen Bilder ein. In
Malbaie, wo ein französischer Segler einst sein Schiff auf Grund gesetzt hat
(daher der Name!), gehen wir in einem Metrro- Supermarkt einkaufen. Weiter
nach Tadoussac, dicht hinter mir ein großer Truck, der es offensichtlich
eilig hat.
Scheer`s
und Gabi fahren zum Whale- Watching zurück zum Ort, mir ist das Gehetze von
Urlaubstermin zu Urlaubstermin zu viel und beschließe, nicht mitzufahren
gehe stattdessen im nahen Wald spazieren und setze mich für ein halbes
Stündchen an das Steilufer eines kleinen Waldbachs. Anschließend kehre ich
zurück zum Haus, sammle unterwegs noch ein paar Samen von Wildblumen, hole
mein Buch und lese auf der Holzveranda vor dem Haus, mit Blick auf den Wald. Als
es zu dämmern beginnt, der Himmel ist zwischenzeitlich bedeckt, raschelt es
im nahen Gebüsch und zwei Schwarzbären, offensichtlich ein Muttertier und
sein Junges, überqueren sichernd die Schotterstraße, bis sie wieder auf der
anderen Seite im Wald verschwinden. Gegen
19.00 Uhr kommen die Anderen zurück und erzählen begeistert von ihren
Begegnungen mit Walen vom Schlauchboot aus. An
der Eßecke im Haus verzehren wir unsere mitgebrachten Sachen: Pastete, Räucherschinken,
Käse, Lachs, Tomaten mit Zwiebel, dazu Baguette und gutes, kanadisches Bier. Dienstag,
21.09.99 Ein
grauer Tag! Wir fahren zunächst bei unserer Ferienhäuschensiedlung in die
falsche Richtung.. Entlang
der Straße hohe , halb bewachsene Dünen, die offenbar von Dünenskifahrern
benutzt werden. Auf dem Sand wächst spärliches, leuchtend grünes Moos. Als
wir merken, dass wir auf der falschen Straße sind, kehren wir um, zurück
nach Tadoussac. Die
138 entlang, fahren wir bis Les Escoumins. Die Fähre geht erst um 12.00 Uhr,
wie wir in einem Kolonialwarenladen erfahren, der gleichzeitig Tourist-
Information ist, so dass wir 2 ½ Stunden Zeit haben. So
fahren wir die 138 Richtung Norden, bis wir an einem Restaurant halten, wo wir
uns Kaffee mit Toast und Marmelade bestellen. Die
Ferienhäuser hier sind nicht bewohnt, die Läden heruntergelassen, am Strand
liegen grosse, braune Algenlappen und rundgeschliffene Steine und Felsen, auch
die Hinterachse eines Anhängers rostet still unter grauem Himmel. Zurück
zur Anlegestelle, wo bereits einige Autos und ein Wohnmobil stehen. Draußen
auf dem Strom taucht ein Wal auf, um elegant
wieder im Wasser zu verschwinden, die Fluke aus dem Wasser gehoben. Mit
Verspätung taucht die Fähre auf. Ein geschäftiger junger Mann, der sich wie
der Chefstauer eines Ozeanriesen gibt, rennt äußerst geschäftig hin und
her, nachdem er vorher herrisch die Bordkarten verteilt hat. Auf
der Fähre ist es kalt und windig, so dass die Damen im Fährenrestaurant
bleiben, ich setze mich nach draußen und blicke träumend auf den St.
Lorenzstrom und stelle mir die kühnen Segler vor, die hier vor 200 Jahren aus
Europa kamen und wieder zurücksegelten über die unendlichen Weiten des
Ozeans. Trois
Pistoles heiß so, wegen seiner drei Kirchtürme, die schon lange vor unserer
Ankunft am anderen Ufer zu uns herüberleuchten. Die
Straße läuft die flache Küste entlang, es ist Ebbe und der felsige Strand
ist von rostbraunen Algen überzogen, die langen Straßendörferr mit ihren
Holzhäusern, Motels, Fast- foot- Buden und Tankstellen wirken trist, es
beginnt zu nieseln. In
Rimouski, einem Industrieort mit einer riesigen Fischfabrik, kaufen wir
noch für das Abendessen ein, als es wegen des grauen Himmels zeitig zu dämmern
beginnt, suchen wir uns ein Motel: Manoir sur Mer in Ste.Anne des Monts, in
Strandnähe. Eine
blonde, dicke, ältere Schweizerin Mitte 70 sitzt an der Rezeption und spricht
deutsch. Die geräumigen Zimmer haben den Charme der 60- er Jahre, die
Teppiche sind abgewetzt, aber ansonsten ist es sauber. Wir
essen bei Scheers im Zimmer, bevor wir zeitig gegen 21.00 Uhr ins Bett gehen. Mittwoch,
22.09.99 Unsere
Schweizerin erzählt uns beim Frühstück, dass sie schon seit 45 Jahren hier
wohnt, während ihr blondes Enkelkind im Frühstücksraum umherwatschelt und
seine Banane auf dem Teppich verteilt.. Wir
gehen noch einmal auf unser Zimmer zurück, um zu telefonieren,, Scheers
erreichen Jan und Marlenes Mutter, bei uns geht niemand ran. Abfahrt
im Nieselregen, der Nebel halbiert die Küstenberge, das Meer plätschert
bleiern ans Ufer neben der Straße. Sobald diese die Küste zeitweilig verlässt,
umgibt uns Nebel, aus dem schemenhaft die herbstlichen Bäume hervorgeistern,
bis sie hinter uns wieder im Nebel verschwinden.
Rechts
der Straße: hohe, schwarze Klippen, schwarzes, gebändertes Sedimentgestein,
manchmal abenteuerlich verworfen, bildet lange Schuttkegel entlang der Strasse,
die direkt ans Meer grenzt. Warntafeln weisen auf Brecher hin, die bei Sturm
die Straße überschwemmen können. Eigentlich
wollten wir über die Berge in den dortigen Nationalpark fahren, da diese aber
in dichtem Nebel versunken sind, fahren wir weiter auf der Küstenstraße bis
Gaspe`.
Der
Ort selbst ist auf die Berge der Küste hinaufgebaut, auf der Höhe eine große
Klinik. Das
Museum zeigt ein Steinfragment aus Cartiers Zeiten, ansonsten sind das Älteste,
was die Geschichte des Landes zu bieten hat, alte Fotos aus dem letzten
Jahrhundert, bis in die Fünfziger Jahre. Naja, als Europäer muss man sein
Geschichtsbewusstsein hier wohl relativieren! Gabi
ruft zuhause an und ist von den Nachrichten nicht recht begeistert: Johannes
hat nun bereits seit 1 ½ Wochen eine Durchfallerkrankung, Stefan ebenfalls
seit 3 Tagen und ist daher nicht in der Schule. Weiter,
auf der Küstenstraße wieder
Richtung Westen im Dauerregen.
Die
weiteren Orte, durch die wir fahren: z.B. Chandler, New Carlisle, New Richmont
wirken gepflegter als die, der Nordküste der Halbinsel, die Wälder
sind dichter und bunter. Bei
Campbellton verlassen wir
das Meer wieder und fahren auf der 17 landeinwärts. Die Brücke über die
Bucht markiert zugleich die Grenze zwischen Quebec und New Brunswick und ist
gleichzeitig Zeitgrenze: Wir müssen unsere Uhren geistig eine Stunde
vorstellen. Die
Straße führt nun, teilweise schnurgerade, durch endlose Mischwälder, hier
ist das Land nur dünn besiedelt. Da es nun immer finsterer wird, suchen wir
uns in St.Quentin ein Motel am Straßenrand, mit dem anspruchsvollen Namen:
Hotel Viktoria. In
einem vietnamesisch/ chinesischen Lokal essen wir zu Abend: Zwiebelsuppe mit
Nudeln, Frühlingsrolle, Shrimpsalat mit Staudensellerie, in Honig und
Knoblauch gebratene Fleischspieße, dazu Reis und Gemüse mit Garnelen. Donnerstag,
23.09.99 Das
Hotel ist ganz schön hellhörig: Gegen 05.00 Uhr sitzen wir fast senkrecht im
Bett, als neben uns Einer die Dusche einschaltet: Es klingt, als wenn ein Güterzug
über unser Bett fahren würde. Im Stockwerk höher läuft jemand rum, der
Bretterboden knarrt wie in einem Horrorfilm. An
Schlaf ist wohl nicht mehr zu denken, also lesen wir bis um Sieben. Draußen
regnet es weiter Schnüre. Gegen
08.00 Uhr frühstücken wir das Übliche: Bacon und „turned“ Eggs,
Kartoffelstückchen fritiert und „brown“ Toast mit zerlassener Butter getränkt,
dazu Marmelade.. Auf,
Richtung Südwesten! Bei Van
Buren überschreiten wir die Grenze zu den USA. Die freundliche „Customerin“
zeigt uns, wie wir die grünen Einreisebögen ausfüllen sollen, Gabi schreibt
bei Marlene ab und schreibt als Familiennamen doch tatsächlich „Scheer“
hin, bis sie merkt, dass sie ja eigendlich Müller heißt. Der
US- Bundesstaat Maine erwartet uns zunächst mit Wolken, es zeigen sich aber
bereits einzelne Wolkenlücken. Das Land entlang der Bundesstraße 1 ist zunächst
landwirtschaftlich genutzt, geht aber langsam in Waldland über. Zunächst
geht es noch parallel zur kanadischen Grenze Richtung Süden, bei Woodstock
fahren wir dann auf den Hwy 95 Richtung Südwesten. Der
Himmel zeigt immer größere Wolkenlücken, der Mischwald links und rechts der
Autobahn wird immer farbiger, auf der Straße jagen sich die Schatten der
Wolken.
Nun
herrscht inzwischen Kaiserwetter, kaum ein Wölkchen ist mehr am
strahlendblauen Himmel zu sehen, das Wald- und Seenland zeigt sich uns in den
schönsten Indian- Summer- Farben! Die Ahornbäume Über
Milo, Dexter und Newport, weiter auf der 7 fahren wir zurück auf die
Autobahn. Ab
Augusta nach Lewiston ist dieser Autobahnteil mautpflichtig, wir bezahlen
einmal 75, dann 25 Cent und fragen uns, ob die geringe Gebühr den aufwand
eigentlich lohnt. Nach
Lewiston über Norway und Hamilton nach Bridgton, das an einem schönen See
liegt. Die
Ortsnamen hier in der Gegend lassen Eine durch ganz Europa und die Welt
fahren. Hier gibt es Athens, Sidney, Belgrade, Manchester, Berlin, Naples,
Waterloo, Freyeburg, etc.
In
einem Kaufhaus kaufen wir noch Lebensmittel, in einem Pizzaladen Pizzas und
machen es uns zum Abendessen in unserer Hütte gemütlich. Freitag,
24.09.99
Günter
ist schon früh aufgestanden und hat mit dem Kanu auf dem See einige Runden
gedreht und sitzt nun lesend in „National Geographics“ vertieft, auf der
Holzveranda. Wir
braten uns Eier, ein alter , runder Toaster spendet gut gebräunte Schnitten. Die
Fahrt geht über Fryeburg nach N.-Conway. Unterwegs besorgen wir uns noch
Infomaterial über den White Mountain National Forest. An einer altertümlichen
Railway- Station in N.- Conway steht eine fahrbereite Dampflokomotive mit
Tender. Weiter
auf der 112, dem Kancamagus-
Highway in den Forest. An einer Rangerstation besorgen wir noch weiteres
Material und Postkarten. Die
Strasse führt leicht bergauf, am Flussbett des Swift- Rivers entlang, der
silbern in der Sonne über Steine, Kies und Felsen hüpfend, zu uns
heraufschimmert.
Die
Ahornbäume am Ufer leuchten in gelbroter Pracht. Auf
schattigem, wurzelüberwachsenem Waldpfad, umgeben von hohen Nadelbäumen,
umrunden wir den kleinen, stillen See, im Unterholz vereinzelt Pilze und eine
Pflanze mit zwei Blattwirteln am dünnen Stiel, gekrönt von blauen Beeren auf
roten Stielen: die Indian Cucumber- Root. Weiter,
die Straße entlang zu einem bescheidenen Holzhäuschen am Straßenrand, das
uns als „Passaconaway Historic Site“ angekündigt wird. Hier lebte um die
Jahrhundertwende eine Mary Prescott, deren Mann eines Tages nur „kurz
wegwollte“, in Wirklichkeit sich aber auf eine weite Reise begab, die ihn
bis nach Südamerika und Cuba führte. Seine verlassene Frau entzündete
daraufhin jeden Abend eine Kerze am Fenster ihres Häuschens im Wald. Als ihr
Mann schließlich nach 42 Jahren zurückkehrte, war seine Frau gerade vor
wenigen Tagen gestorben: Eine Geschichte, so richtig nach dem Geschmack
sentimentaler Amerikaner, für die das hübsch eingerichtete Häuschen, so
dastehend, als wäre die alte Dame gerade gestorben: Hübsche Möbel der Gründerzeit
an den Wänden, eine alte Singer- Nähmaschine, ein altes Harmonium mit
Registern an der Wand, auf dem Bett ausgebreitet: das schwarze Nachtgewand.
Im
Wald: Bis zu 25 m hohe „White Pines“, Bäume, die einst bevorzugt für
Schiffsmasten benutzt wurden und mit Ochsengespannen mit bis zu 80 Ochsen aus
dem Wald gezogen wurden, wie eine Tafel am Wegesrand erläutert. Über
die Bear- Road queren wir in das Paralleltal, vorbei an einem herrlichen
Weitblick auf den 2080 m hohen
Mount Washington. Bei Barlett fahren wir an dicht, herbstlich bewaldeten Hängen
vorbei, die Spätnachmittagssonne wirft bereits lange Schatten. Abseits der
Hauptstraße sammeln wir noch bunte Ahornblätter. Auf dem Nachhauseweg kaufen
wir in einem Supermarkt dicke Steaks, Salat und Gemüse. Es
ist schon fast dunkel, als wir wieder zuhause in unserer Hütte am See
ankommen, wo wir unsere Steaks verdrücken, zusammen mit, noch nicht richtig
ausgegorenem kalifornischen Wein, der noch fast wie Traubensaft schmeckt und
auf der Zunge moussierend prickelt. Samstag,
25.09.99 Heute
stehen wir etwas später auf, denn wir planen keine größeren Ausflüge. In
der Nacht hat es, wie ich gegen 3 Uhr morgens, als ich kurz aufwachte,
feststellte, geregnet, am Morgen haben sich die Wolken aber wieder verzogen,
so dass uns die Morgensonne am klaren Himmel über dem See, wie am Vortag,,
durch die Fenster auf den dunklen Esszimmertisch scheint.. Gabi
wäscht nach dem Frühstück einige Wäschestücke im Waschbecken, die ich
draußen an der Wäscheleine aufhänge, bevor wir in den Ort fahren. Wir
schauen bei zwei Antiquitätengeschäften rein, bis zum Obergeschoss voll mit
Krimskrams, amerikanischer Provenienz, aus vergangenen Zeiten. In einer Kiste,
sauber geordnet nach Jahreszahlen entdecke ich alte TIME- LIFE- Magazine und
nehme das Heft vom 02. Dezember 1946, erschienen, 2 Tage nach meiner Geburt,
mit. Das Titelbild zeigt die Schauspielerin Ingrid Bergmann, im Kettenhemd der
heiligen Johanna. Weiterfahrt
zum samstäglichen Trödelmarkt in Bridgeton. Ein Gebrauchtbücherstand bietet
eine Plastiktüte voll Bücher für einen Dollar, eine zahnstummelige, ältere
Frau hält mir grinsend einen Beutel hin, den ich vollstopfe mit Heften der
Zeitschrift „National Geographics“. Nach
einem kurzen Abstecher an unserer Hütte vorbei, fahren wir zu einem Skiberg
in der Nähe, wir haben uns bei unserer Ankunft im Touristikzentrum eine
Fotokopie aus einem Wanderführer besorgt.
Schon
nach wenigen Metern Butter- und Birkenpilze am Wegrand, die wir in unseren
mitgebrachten Stoffbeutel sammeln. Die
Wanderzeichen führen uns zu einem klammartigen Einschnitt, in den ein
Bergbach hineinplätschert. Weiter geht es, steil bergauf, bis die Anderen
meinen, wir sollten umkehren, damit wir noch den Nachmittag an unserer Hütte
geniessen können. Auf dem Rückweg finden wir sogar noch prächtige
Steinpilze. Am Wegrand grabe ich vier
kleine Zuckerahornbäumchen für unser Grundstück in Untersteinbach aus.
Später
hilft mir Gabi beim Pilzeputzen, die Pilze werden in der Pfanne gewürzt und
geschmort, bis ich sie in die Sahnesauce mit hinein gebe.. Dazu
gibt es Nudeln. Gabi hat es gut gemeint, so dass noch ganz schön viel Nudeln
in der Schüssel bleiben, bevor wir das Abendessen beschließen und im
Wohnzimmer noch etwas zusammen sitzen , uns unterhalten, bevor wir gegen 21.30
Uhr ins Bett gehen. Sonntag,
26.09.99 Heute
bin ich schon zeitig aus dem Bett, da wir um 08.00 Uhr fahren wollen. Um
06.00 Uhr stehe ich auf und setze mich am Wohnzimmer- Esstisch an mein
Notebook um Tagebuch zu schreiben.
Gegen
06.45 Uhr färbt sich der Himmel dort, wo bald die Sonne aufgeht,, gelbrot,
die Wölkchen am, sonst freien Himmel, färben sich an ihren Rändern rosarot,
draußen herrscht der Zauber des Morgens kurz vor Sonnenaufgang. Günter ist
mittlerweile auch aufgestanden, wir beide gehen mit unseren Fotoapparaten zum
See, um die Stimmung zu bannen,,
bis die Sonne strahlend über den Wipfeln des Waldes erscheint. Inzwischen
sind auch unsere Damen wach und bereiten das Frühstück vor, während ich
mein Tagebuch fertig schreibe und im Bad verschwinde. Wir
verabschieden uns von Mr. Grady, geben den Schlüssel unseres Häuschens
Über
Freyeburg und N.- Conway, am Südrand der White- Mountains vorbei, geht es am
Winnipesansee vorbei über Meredith nach Claremont, wir haben inzwischen den
Bundesstaat Maine verlassen und befinden und in New Bei
Claremont fahren wir auf der Interstate 91 bis Brattleboro und durch den Green
Mountain National Forest auf der 9 ein Flüsschen entlang. Hier
sind zahlreiche Sonntagsausflügler unterwegs, auch viele Motorradfahrer auf
schweren Harley- Davidsons.
Bei
Syracuse tanken wir, fahren kurzfristig von unserer mautpflichtigen Autobahn
ab, dann aber noch ein stück weiter, bis Port Byron und von da aus in das
kleine Städtchhen Auburn. In
einem Rest Inn, betrieben von einer jungen Inderin, finden wir Quartier. Nach
einer Odyssee durch den verschlafenen Ort finden wir an einer Ausfallstrasse
Richtung Syracuse eine Fast- Food- Ketten- Ecke, nachdem wir von Dennys über
Ponderosa- Steakhouse und Wendys die Schuppen begutachtet haben, landen wir
doch wieder in einem, wenn auch etwas heruntergekommen wirkenden Mc. Donalds.
Die 17 - 20- jährige Mannschaft serviert Big- Mäc und Double- Pounder- Menüs,
unserer ca. 18- jährigen Burgerverkäuferin mit den Plastikhandschuhen, mit
denen sie auch das Geld kassiert (??) müssen die Burger auch gut schmecken,
denn sie schiebt einen unglaublich fetten Hintern durch die Burgerküche. Auf,
an der Decke aufgehängten Bildschirmen flimmern Cartoons der Simpsons. Montag,
27.09.99 Um
08.00 Uhr fahren wir los, irgendwo kommen wir vom Weg ab, als wir die 34
wieder erreichen, sind wir bereits unter der Interstate 90 durch und in der Nähe
des Lake Ontario bei Victory. Naja, dann fahren wir halt auf der 104 nach
Rochester. Es ist sonnig, aber schwülwarm und dunstig. Bei
einem Mc. Donald am Straßenrand halten wir zum Frühstück, es gibt Scrumbled
Eggs, einen Burger, hashed & fried Potatoes und einen Muffin, dazu Kaffee,
Tee und Marmelade. Unsere
Damen haben heute offensichtlich nicht richtig ausgeschlafen, insbesonders
Marlene muffelt und meckert am Frühstück und dem Laden allgemein herum, nun
ja, vielleicht reicht ihr auch langsam das Fast Food, mir schmeckt`s trotzdem
und ich bin, im Gegensatz zur verknitterten übrigen Mannschaft voller
Tatendrang und guter Dinge. Vorbei
an Rochester, einer typischen amerikanischen Stadt mittlerer Größe, und
Buffalo nach Niagara Falls, Die
Niagara Road begleiten kilometerlang Motels, Fastfood- Schuppen, Möbelläden,
Autoverkaufsgeschäfte , Tankstellen und Niagara- Informations. Als
wir ins den Fällen nähern, sehen wir schon von Weitem die Gischt.
Immer
näher kommen wir zur Abrißkante, an der der Fluß unmittelbar, wie Dann
stehen wir an der Oberkante der Fälle selbst, wo der Strom brüllend
60 m in die Tiefe stürzt, blaugrün, bis sich der Wasserkörper in weiße
Gischt auflöst, ein unvergleichlicher Anblick.
Über
eine Brücke überqueren wir die Stromschnellen des östlichen Zweigs und
laufen durch eine Parkanlage zum mittleren Fall. In der Gischt bilden sich
Regenbogen, ein Aufzug führt zu hölzernen Plattformen am Fuß des Falls, auf
denen in gelbe Regenmäntel vermummte Gestalten mit umgestülpten
Regenschirmen in der Gischt stehen. Weiter
zum kanadischen Fall, der Hufeisenform hat. Auch hier ein grandioser Anblick. Zurück
durch den Park zum Auto. An einem Parkrestaurant mit Touristen- Nippesladen
ein Denkmal des, vor 150 Jahren geborenen Physikers jugoslawischer Abstammung:
Viktor Tesla: Endlich
mal Einer, der sein Denkmal verdient hat, im Gegensatz zu den
Menschenmetzgern, die sonst auf solchen Sockeln herumlümmeln. Wir
fahren über die Rainbow- Bridge über die kanadische Grenze nach Niagara on
thr lake und von dort über die Autobahn nach Hamilton. Da
die Stadt keine eigentliche Umgehungsstraße hat, zieht sich unsere Fahrt über
zahlreiche Ampeln endlos hin. Wir hätten diesen Ort weiträumig umfahren
sollen! Zudem herrscht noch Rush hour, jetzt, gegen 16.30 Uhr. Bei einem Tim
Horton`s - Kaffee machen wir Pause bei Tee, French- Vanilla- Kaffee,
Eiscapucino und Gebäck. Auf
der 6 hinter Guelph wird der Verkehr langsam weniger, wir fahren in der Spätnachmittagssonne
durch eine sanft gewellte Farmlandschaft mit Wiesen, Stoppeläckern,
Weinanbauflächen und Obstplantagen. Die prunkvollen, stattlichen Farmhäuser
zeigen Wohlstand. In
Mount Forest halte ich an einem relativ günstigen Motel, unsere Damen
meckern, ohne das Motel von Innen gesehen zu haben, des Menschen Wille ist
sein Himmelreich, also fahre ich weiter, bis die Sonne blutrot unter dem
Horizont versunken ist und wir im Dunkeln schließlich Owen Sound am Lake
Huron erreichen. Dort
finden wir schließlich nach längerer Suche nach einem ähnlich günstigen
Motel das Pinecrest- Motel für 48 $/Nacht. Die ältere Dame am Empfang ist
etwas verwirrt und erzählt uns, dass es heute so drunter und drüber gegangen
wäre, dass sie den schlimmsten Tag ihres Lebens erlebt hätte. Zum
Abendessen schlendern wir noch ein bisschen durch die Stadt an den, jetzt um
20.30 Uhr noch teilweise geöffneten Läden vorbei, die Nacht ist lau. In
einem chinesischen Lokal essen wir schliesslich zu Abend. Dienstag,
28.09.99 Wir
fahren zum Frühstück nach Owen Sound hinein. Ich besorge mir eine
Telephonkarte und rufe zuhause an. Wir
gehen zu Tim Hortons frühstücken, unsere Fahrt zur Bruce- Peninsula, die
sich weit in den Huron- See hineinstreckt, verläuft verständlicherweise
etwas einsilbig. In
Wiarton fahren wir zur Tourist- Information, die Dame dort zeigt uns einige
Cottagevermieter mit Küche, da wir beabsichtigen , zwei Tage dort zu
verbringen.
Bei
der Hope- Bay fahren wir zu einem Cottage-
Vermieter in blauem Trainingsanzug und Bart. Er ist zwar freundlich, die Hütten
sind aber ausgesprochen spartanisch und eng. Am Miller Lake im Norden fahren
wir zu einem Campingplatz, der „Summer Homes“ offeriert, diese sind zwar
geräumiger, stinken dafür aber modrig- faulig und nach Gas. Also
wieder die 6 hinunter nach Wiarton zu den zuerst gefundenen Cottages an der Küste.
Die ältere Dame ist jetzt da, die Ausstattung ganz in Ordnung, wenn auch
etwas heruntergekommen, der Preis 80 $/Tag, die Lage allerdings wunderschön,
mit weitem Blick auf den Colpoys Bay. Allerdings hat die Sache einen Haken:
Die Dame nimmt keine Kredidtkarten! Scheers hätten zwar noch genügend
Bargeld, wir aber nicht mehr so viel, um die Hälfte zu bezahlen, sondern nur
einen Teil, sonst hätten wir für den Rest des Urlaubs keinerlei Bargeld mehr
gehabt, sondern nur noch die Kredidtkarte. Marlene
möchte aber den Rest des Urlaubs noch mit Bargeld bestreiten, da sie eine
unergründliche Abneigung gegen Bezahlung per Kredidtkarte hat. So müssen wir
nun nach längerer Diskussion schließlich diese Sache fallen lassen, was
unserer Stimmung auch nicht unbedingt zuträglich ist: Irgendwie ist an diesem
Tag der Wurm drin, ich hoffe auf Besserung! Also
wieder im Regen auf der 6 nach Norden Richtung Red Bay. Dort
sind an einem Binnensee mehrere Cottages, leider aber alle belegt. Wieder zurück
nach Wiarton. Die Dame an der Tourist- Information nennt uns noch eine Möglichkeit
in Oliphant. Die
Cottages dort sind zwar ebenso spartanisch, wie die, an der Hope-Bay, aber
etwas geräumiger und kosten nur 60 $/Tag, so daß wir uns dort einmieten. Die
freundliche Vermieterin bringt uns noch Bettwäsche und bezieht die
Betten, während wir zum Einkaufen In
einem Liquor- Store erstehen wir eine Flasche Wein und zwei Sixpacks Bier,
hier können wir tatsächlich mit Karte zahlen (!!). Zurück
am Cottage machen wir noch einen Abendspaziergang am Ufer des Huronsees
entlang, ein Süßwasser- Binnenmeer gigantischen Ausmaßes, einer der größten
Seen der Erde. Die
Ufer sind sehr flach und weit hinaus mit rötlich- gelben Binsen bewachsen,
dazwischen blaue, verzweigte Enziane (Gentiana procera), eine Saxifraga- art (Parnassia
glauca) mit weisser Blüte und rundlichen Grundblättern, sowie eine
botanische Besonderheit, eine fleischfressende Pflanze, die ich nicht erwartet
hätte, zu finden: Sarracenia purpurea, die ihre violett- netzäderigen
kannenartigen Fangblätter an vernässten, etwas kahleren Stellen, aus dem
Binsenmeer streckt. Zurück
am Cottage kochen wir uns eine Pasta asciutta und trinken dazu den
mitgebrachten Rotwein. Mittwoch,
29.09.99 Draußen
nieselt es in den Morgen, als wir aufbrechen. Nach
dem Frühstück haben wir diskutiert, ob wir lieber nach Süden, Richtung
Kitchener fahren sollen, dort wäre allerdings das altbekannte Farmland
gewesen, mein Vorschlag, doch die Küste der Georgian Bay, einer großen Bucht
des Lake Huron, zu fahren, wurde daher angenommen. Bei
Meafort wird die Straße trockener, wir fahren offensichtlich vor dem
Regenwetter her. Hier
halten wir an einer Telefonzelle, geben Stefan noch durch, was die Kids bis
Samstag besorgen sollen. Meaforts
Zentrum besteht aus hohen Backsteinhäusern mit, z.T. viktorianischen und
Jugendstilelementen, das Städtchen lebte früher vom Pelzhandel und dem, was
die französischen und englischen Trapper über den Geogian Bay mitbrachten,
und war so durchaus vermögend, was noch heute zu sehen ist. Weiter,
Richtung Collingwood, schlagen Wellen auf den, aus flachen Felsplatten
bestehenden Strand. Rechts von uns erheben sich die Blue Mountains, mit bis zu
600 m ein beliebtes Ski- und Langlaufgebiet, die Straße ist gesäumt von
zahlreichen Motels in dieser, touristisch interessanten Gegend. , an den Hängen
Holzhäuser am bunten Waldrand im nebeligen Dunst. In
Collingwood kehren wir bei Tim Hortons ein, bevor wir in den Nottawasaga- Bay,
mit langen Sandstränden und zahlreichen Badeorten einbiegen. Zwischen Strand
und Straße zahlreiche Ferien- und Wohnhäuser im Wald, an einer Stichstraße
fahren wir zum Strand. Der
Sand ist sehr fein, dazwischen vereinzelt Dreissena- ähnliche Süßwassermuscheln,
die Sicht ist nur gering, leichte Wellen schlagen an das Ufer, wo sich außer
uns nur Möven auf den Sandbänken aufhalten.
Der
gepflegte Ort liegt ebenfalls in einer kleinen Bucht dieses reich gegliederten
Süßwasserbinnenmeers. Zahlreiche kleine Ladengeschäfte in Backstein- und
Holzhäusern säumen die Straße, an einer Uferpromenade halten wir an der
Tourist- Information und fahren dann zum Huron- Museum mit einem nachgebauten
Huron- Indianerdorf, wie es ausgesehen hat, vor der Landung der Europäer im
16. Jahrhundert.
Nach
dem Eingang: Ein Tabakfeld, daneben ein Langhaus mit rundem Dach, In
einem zweiten Langhaus sind Schlafplätze für die Großfamilien mit
Tierfellen belegt. Das
Museum beherbergt zahlreiche Utensilien: Von irdenen Töpfen und Pfeifenköpfen,
Steinwerkzeugen, Bekleidung, bis hin zu Kriegerwaffen. Außerdem
sind hier noch zahlreiche Gegenstände der früheren Siedler und neuerer eit
zusammengetragen, wie eine „Hundemühle“, ein Zahnröntgenstuhl aus den
20- er Jahren, Kostüme aus der Jahrhundertwende ,ein HP- Computerarbeitsplatz
der 70- er Jahre. Fotodokumentationen künden von alten Zeiten. Rückfahrt
im aufkommenden Regen in die Abenddämmerung hinein, Schweinsteaks und
Kartoffelsalat als Abendessen. Donnerstag,
30.09.99 In
der Nacht wache ich auf. Draußen vor dem halb geöffneten Schlafzimmerfenster
weht ein heftiger, warmer Wind, am nächtlichen Himmel ziehen, unsichtbar,
Scharen von Wildgänsen Richtung Süden, ihre Schreie verebben
langsam in Nacht und Herbststurm.
Auf
kleinen, teilweise geschotterten Nebenstraßen fahren wir weiter, die Westküste
der Bruce- Peninsula entlang. Überall im Uferwald stehen kleine
Feriendomizile, die oft nur ein, an der Straße aufgestellter Postkasten und
ein, ins Dickicht führender Schotterweg verrät. An
kleinen Stichstraßen kommt man auch zum Strand.
Die
Nordspitze der Halbinsel ist ein Naturpark. Allein 41 Orchideenarten, häufig:
gelber und roter Frauenschuh, gedeihen hier.
Auch
die spärlich bewachsenen, löcherigen Felsenplatten mit ihren kleinen,
erdigen, bei Regen nassen Spalten und Kuhlen stellen äußerst seltene
Extremhabitate mit angepasster Flora dar. Eine
kleine, ebenfalls seltene, nicht
sehr giftige Eastern Massakanga- Klapperschlange geht hier auf Mäusejagd, was
sie auch im Dunkeln kann, da sie ein wärmeempfindliches Grubenorgan in Augennähe
hat. Tobermory
, ein kleines, verträumtes Hafenstädtchen am Ende der Halbinsel ist Endpunkt
unseres Ausflugs. Im kleinen Hafen dümpeln blauweiß gestrichene
Fischerboote, hier geht die Fähre nach Sudbury am Nordostufer des Sees. Wir
laufen ein bisschen herum, am erhöhten Ufer kleine Geschäfte, Restaurants
und Cafe`s, eine Kunstgalerie lädt zum Besuch ein. Schöne Keramiken mit
ausgesuchten Glasuren an den Wänden und in den Regalen, insbesonders die
metallisch- farbigen Raku- Glasuren eines kanadischen Töpfers finden unsere
Aufmerksamkeit. Auch
interessante Bilder sind zu sehen, besonders
erwähnenswert: Aus flächig aufgeklebter Birkenrinde gestaltete
Materialbilder eines Künstlers mit eigentümlicher Ausstrahlung. Im
Coffe- Shop des Orten trinken wir ein Tässchen Kaffee und essen dazu Gebäck,
bevor wir heimfahren. Inzwischen ist eine Wolkenfront herangeweht, es beginnt
leicht zu regnen, was sich aber auf der Heimfahrt rasch wieder ändert. In
Oliphant in unserem Cottage kochen wir Hähnchen mit Karotten- Erbsen- Maisgemüse,
anschließend laufe ich noch mit Günter zum Seeufer, um den prachtvollen
Sternhimmel über uns zu betrachten: Der Andromeda- Nebel ist mit bloßen
Augen zu sehen! Der starke Wind lässt die Strassenbeleuchtungen schaukeln. Freitag,
01.10. /Samstag, 02.10.99 Letzter
Tag in Kanada! Wir verlassen gegen 10.00 unsere Hütte und werfen den Schlüssel
bei unserer Vermieterin ein, die nicht zuhause ist.
Als
wollte uns der Indian Summer noch einmal mit seiner schönsten Seite
verabschieden, sind die Wälder des Tales, durch das wir fahren, atemberaubend
bunt gefärbt, wir fotografieren wie die Wilden, ein schönes Bild wechselt
mit noch einem schöneren Anblick. Weiter
auf, teilweise geschotterten Nebenstraßen zur 9, bis Bolton. Ein letztes Mal
kehren wir in diesem weitläufigen Vorstädtchen von Toronto bei Tim Hortons
ein, mit Honey Crullern und anderen süssen Köstlichkeiten. Weiter, über
Nashville nach Kleinburg, wo wir Die
Mc Michael Collection hat jetzt, um 16.00 Uhr noch geöffnet, Parkgebühr
brauchen wir keine mehr zu zahlen: Die freundliche Dame am Parkschalterhäuschen
winkt und verschwörerisch durch und mein, sie schliesse eh in 3 Minuten.
Der
Himmel hat sich zugezogen, als wir das Gebäude verlassen. Wir holen unsere
Brotzeit aus dem Auto: Hähnchenteile vom Vorabend und hartgekochte Eier und
Fallobst, das wir gestern auf einem verwilderten Grundstück an einem See auf
dem Weg nach Tobermory gefunden haben. Den
Flughafen in Toronto finden wir relativ rasch, als wir aber an einer Baustelle
unmittelbar vor unserem Gate an eine Baustelle geraten, folge ich entgegen
besseren Wissens den Ratschlägen der Scheers auf der Rückbank, gerate auf
einen 8- spurigen Highway und heftig ins Fluchen! Rasch entfernen wir uns
wieder vom Flughafen, die Abfahrt zum Wenden führt ebenfalls wieder auf eine
6-spurige Autobahn, als ich dort herunterfahre und nach meiner (richtigen)
Orientierung wieder zurückfahren will, protestiert
Günter wieder heftig, der hinten in seine Karte vertieft war. Also
fahre ich, wie Günter meint, der Flughafen entfernt sich weiter und liegt
mittlerweile schon kilometerweit hinter uns. Schließlich
reißt mir der Geduldsfaden, ich wende erneut (Scheers schweigen
mittlerweile), nach wenigen hundert Metern sind wir wieder in der richtigen
Richtung und folgen den Hinweisen. Allerdings ist der Verkehr höllisch, bis
wir endlich im Flughafen in der Box der Firma Hertz stehen. Ein freundlicher
dunkelhäutiger Inder nimmt das Fahrzeug entgegen, ein ebenfalls freundlicher
Chinese fährt uns zum richtigen Gate. Beim
Einchecken droht neuer Ärger: wir haben 35 kg Übergewicht und müssen 150 $
nachzahlen. Ich nehme es sportlich locker, weil ja nicht zu ändern, dafür
ist Gabi sauer! Naja,
um 20.45 hebt schließlich die Tristar ab. Die alte Maschine mit 300 Sitzplätzen
ist eng, wie eine Sardinenbüchse. Zwischenlandung
in Montreal, dann noch 6 ½ Stunden bis Frankfurt. Ich döse ab und zu ein bißchen
ein, gegen 1 Uhr weckt (!) das Bordpersonal die Passagiere, die schlafen, um
das Abend (!)- essen nach Schema F zu servieren. Über
Irland dämmert rotgelb über den Wolken am Horizont der Morgen heran. Frankfurt
liegt in Wolken, als wir landen, nur wenige Lücken lassen Sonne herunter. Der
Frankfurter Flughafen ist organisiertes Chaos: Erst warten wir eine halbe
Stunde auf dem Rollfeld, da unser Gate besetzt ist, dann wird unser Gepäck
beim Baggage - Claim an zwei verschiedenen Rollfeldern ausgeladen, so daß wir
hin- und herschießen. Als wir endlich durch den Zoll sind, haben wir gerade
noch 10 Minuten bis unser Zug geht. Im Laufschritt rennen wir mit unseren Gepäckwägen
durch die Flure, Rolltreppen hinauf, bis wir schließlich abgekämpft und
schwitzend am Bahnsteig ankommen, 2 Minuten, bevor unser Zug um 14.03 Uhr einfährt. Über
Aschaffenburg und Würzburg 2 Stunden Fahrt bis Nürnberg, wo wir uns von
Scheers verabschieden, die von Jan abgeholt werden. Um 17.30 Uhr rollt unser
Zug schließlich am Regensburger Hauptbahnhof ein, wo Johannes schon auf uns
wartet. Zuhause
umarmen wir Stephan und Tobias und fahren zu Gasthof Stang nach Bergstetten
zum Abendessen. Am westlichen Horizont geht gerade die Sonne an einem blauen
Streifen, davor eine geschlossene Wolkendecke, unter, und taucht die
Landschaft in eigenartig goldenes Licht. Die Kinder und wir haben viel zu erzählen,
bei Champignonrahmschnitzel und Käseschnitzel mit Pommes und Salat. Zuhause
wieder angekommen, setzen wir uns noch auf ein Bierchen zusammen und verteilen
die mitgebrachten Jeans und Pullover. Bevor wir ins Bett gehen, sortieren wir noch unsere Betten um und stellen überall Mausefallen auf, da die Mäuse offensichtlich über irgendeinen Weg sich in unser Haus und unser Schlafzimmer genagt haben.
Copyright©2004 Wolfgang Müller/Nittendorf
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