Glas, Fossilien, Hanse und Wikinger

Schweden : Smaland, Öland und Gotland,

Juli/August 2003

 

Ein Reisebericht von Wolfgang Müller/Nittendorf

 

Freitag-Samstag,18./19.07.03

 

Gegen 19.oo Uhr sitze ich noch in der Abendsonne auf der Terrasse in Haugenried und schlürfe ein Bierchen in der Abendsonne, bevor ich um 19..30 Uhr ins Bett gehe.

Gegen 23.30 Uhr stehe ich auf, dusche und gehe runter, Fetzens sind schon da, Hans schläft noch, wird dann aber geweckt.

Die Nacht ist lau, als wir um 0.20 Uhr starten, bis 03.00 Uhr sind wir schon in Höhe Kassel, der Verkehr nimmt deutlich zu in Richtung Norden, als in Höhe Hannover die Sonne aufgeht, da Niedersachsen in Ferien fährt.

Durch Hamburg geht es relativ flott, nach Flensburg fahren wir von der Autobahn runter, tanken und halten an der Landstraße an einem kleinen Rastplatz mit Bänken, um unser Frühstück auszupacken: Panierte Schnitzel, Schinken, Käse, Marmelade und Kaffee aus der Thermoskanne, es ist sonnig und warm.

Weiter geht`s , auf der Autobahn Richtung Norden, dann nach Osten über das Wahrzeichen der Vogelfluglinie , die Brücke über den Sund nach Ostergard, bis Schweden geht es noch über 2 weitere, erst neu fertiggestellte, 20 km lange Brücken über die Ostsee, auf armdicken Stahltrossen aufgehängt, Meisterleistungen der Ingenieurtechnik.

In Südschweden, in Schonen, der Kornkammer Schwedens, glänzen weitläufige Getreidefelder in der Mittagssonne, die Richtung Norden später ausgedehnten Wäldern weichen.

Auf einem gepflegten Rastplatz machen wir unsere Mittagsbrotzeit, fahren dann weiter durch dünn besiedeltes Land (Schweden hat mit 1 1/2 mal so grosser Fläche wie die BRD, gerade mal so viel Einwohner wie Bayern), bis Hultsfred und suchen dann in einem kleinen Örtchen namens Vena nach dem rosa Haus, wo die Besitzerin unseres Ferienhauses wohnen soll.

Ein rosa Haus gibt es dort zwar, aber nicht neben einem Bauernhof, wie beschrieben.

Hans fragt einen Passanten, aber der weiss auch nicht weiter!

Also fahren wir Richtung Kristalda direkt zum Haus.

Nach 8 km biegen wir an einem grünen Postkasten in einen Feldweg ein, nach ca. 400 m durch den Wald, vorbei an einem schwarzbraunen Flüsschen inmitten eines überschwemmten Erlenwäldchen taucht dann aber schon in der Abendsonne unser Ferienhaus auf: Typisch schwedisches Holzhaus, rot gestrichen, mit weiss gestrichener Veranda und Fensterrahmen, der Garten sehr gepflegt, der Rasen um die Felsen und sauber gestutzten Obstbäume und Blumenrabatten herum kurz gemäht. Am Waldsaum gelb blühender Gartenenzian.

Ein rotes Auto steht vor der Garage und vom Haus her stürmt eine ältere, untersetzte, kleine, aber sehr lebendige Dame auf uns zu, ruft schon von weitem: "Willkommen, -willkommen", hält uns ein gemaltes Pappschild vor die Nase, Auf dem ebenfalls "Herzlich Willkommen" steht und, dass sie leider kein "Tysk" spricht. Ich frage: "Mai Britt Ekström?"

Sie strahlt, nickt heftig, bedeutet uns, dass sie jemand holt, der Deutsch spricht und fährt fort.

Wir schauen uns derweil in unserem Häuschen um, Baujahr 1850.

Es ist etwas verwinkelt, mit 2 Wohnzimmern, Küche und Dusche etwas altmodisch, im Stil der 60-er Jahre eingerichtet und sauber, die Schränke voller Bücher.

Allerdings sind die Schlafzimmer nicht gerade so, wie im Internet bei unserer Vermittlerfirma Novasol beschrieben: lauter Einzelbetten statt zwei Doppelbetten, in einem Zimmer zwar zwei unterschiedlich lange zu einer Art Doppelbett zusammengestelt, aber, wie gesagt, keine 2 Doppelbetten, wie angekündigt.

Inzwischen ist Frau Ekström wieder zurück mit zwei weiteren, jüngeren Damen, die Dunkelblonde, die sich uns als Ulrike vorstellt, spricht perfekt Deutsch mit Düsseldorfer Akzent, die Zweite ist Deutsche.

Die 80- jährige Mai-Britt führt uns durch das Haus ihres Großvaters, der in Venn Bäcker war, ist ganz wuselig und zeigt uns aufgekratzt den Inhalt von Schränken und Kammern, laut auf Schwedisch kommentiert und von Ulrike übersetzt.

Diese erzählt uns auch, dass hier am 07. Juli nach einem Starkregen, ein massives Hochwasser war, das die ganze Gegend überschwemmte, so dass die Leute mit dem Boot zur Arbeit abgeholt werden mussten. Zurückbleibende Sumpfflächen und Tümpel sind natürlich eine ideale Brutstätte für Mücken, so dass wir uns mit "Mücka" aus der Apotheke wappnen sollten!

Dann verabschieden sie sich und wir beginnen die Schlafzimmer für unsere Bedürfnisse umzubauen.

Gabi findet in einem Wandschrank noch Matratzen, wir zweckentfremden das zweite Wohnzimmer zum Schlafzimmer, indem wir auf dem Boden zwei Matratzen ausbreiten, diese beziehen und zum Doppelbett umfunktionieren. Hans und Traudel richten sich unter dem Dach ein.

Es ist schon 23.00 Uhr, immer noch dämmrig draussen, als wir uns von den Mücken verscheucht, ins Wohnzimmer setzen und ein bisschen Musik hören, bevor wir ins Bett gehen.

 

Sonntag,20.07.03

 

Wir schlafen bis 10.00 Uhr, bevor Hans und ich nach Hultsfred aufbrechen, um ein paar Sachen einzukaufen.: die größeren Geschäfte haben hier auch sonntags geöffnet.

Frühstück in vollendeter Stille bei strahlender Sonne im Garten. Über uns blauweisser Himmel, es ist so warm, dass wir nach einiger Zeit einen zweiten Sonnenschirm aufbauen und in den Schatten rücken! Über dem heissen Hausdach flimmert die Luft in der Hitze.

Zahllose Großlibellen sind auf der Jagd nach Insekten, über die Wiese taumeln die Schmetterlinge von Blüte zu Blüte, jedesmal, wenn eine kleine Wolke über die sonne zieht, prasselt das braune Blechdach unseres Hauses, als wenn es regnen würde.

Nach dem "Frühstück", geben 14.00 Uhr laufe ich noch ein bisschen im Wald herum, finde eineige Reifpilze, dann werde ich müde und lege mich noch ein Stündchen hin, bis wir gegen 15.00 Uhr Richtung Kristalda aufbrechen.

Die weisse Kirche aus dem 18.Jh. dominiert das Örtchen, ihr Inneres ist, typisch für eine evangelische Kirche, schlicht, freundlich und hell, mit wenig, aber schönem Schmuck an den weiss getünchten Wänden und den hölzernen Einrichtungen.

Weiter nach Oskarshamn, die Hafenstadt, die in sonntäglicher ruhe liegt, als wir, vorbei an der Fussgängerzone zum Fährenhafen fahren, um schon mal zu sehen, wo wir unsere Fährkarten nach Gotland bekommen werden.

Weiter,m 1o km Richtung Norden liegt das Dörfchen Stensjö , 2km abseits der Hauptstraße. Auf einem gewundenen Schotterweg fahren wir in der Nachmittagssonne vorbei, an einer reich parcellierten Landschaft mit kleinflächigen viehweiden, Felsgruppen und Wasserflächen, hölzernen Weidezäunen bis zu einem Parkplatz vor dem Museumsdörfchen, das aber bewohnt ist.

Traudel geht nochmal auf das rot gestrichene 4-zellihe, hölzerne Plumpsklo, bevor wir starten.

Die Holzhäuser aus dem 18. Jahrhundert, alle miim typisch schwedischen rot-weissen Stil erbaut, zeigen deie typisch karge Lebensweise des bäuerlichen schwedischen Lebens vergangener Jahrhunderte.

Wir beschließen eine einstündige Wanderung entlang einer weissen Wegmarkierung, vorbei an weitläufigen Weiden mit Holzzäunen , Säulenwacholderbäumen, Felsen und Heidekraut, bis nach einer dreiviertel Stunde der Weg immer schlechter wird und die Markierung aufhört.

Wir laufen wieder zurück und folgen einer gelben Markierung, die gemäß der Karte auf dem Parkplatz bei Stensjö einen weiteren Rundweg markieren soll.

Der Weg führt über ein Flüsschen mit mückenreichem Sumpfgebiet auf eine Anhöhe, wo der Wald gerodet ist und der Boden zwischen den Felsen mit Himbeerbüschen übersät ist, die Himbeeren sind reif und schmecken köstlich!

Der Weg führt hinunter zu einem See, mit ca. 1 km Durchmesser, der in der Abenssonne zu uns heraufschimmert, überall auf der Wasseroberfläche schwimmen Seerosenblätter.

Die gelbe Wegmarkierung führt uns am Seeufer entlang, auf einem zum See steil abfallenden Felsen mit einer Bank haben wir einen schönen Überblick über den See.

Weiter, an einem einsamen Boot vorbei, sammeln wir unterwegs noch ein paar Pilze, essen Blaubeeren, bevor wir, vorbei an einem Gehöft im Wald auf eine Teerstraße gelangen.

Langsam verstärkt sich bei mir das Gefühl, das ich die ganze zeit schon hatte, dass uns die Markierung immer weiter weg von unserem Ausgangspunkt führt: Wir sind jetzt schon 3 Stunden unterwegs, es ist mittlereweile 19.30 Uhr, wir laufen die Teerstraße entlang, das Bein von Hans, der unterwegs über einen Felsen gestolpert ist, schwillt bedrohlich an, wahrscheinlich ist eine Ader in seinem Schienbein geplatzt.

An einem Haus am Sraßenrand klingeln wir, um nach dem Weg zu fragen, aber der junge Mann, der öffnet, versteht leider weder deutsch noch englisch!

Wir laufen noch ein Stück die Straße entlang, bis wir schließlich davon überzeugt sind, dass die Markierung sonstwohin führt, nur nicht zurück zu unserem Ausgangsort, dessen Namen wir uns leider auch nicht gemerkt haben.

Hans und Traudel haben, während Gabi und ich den weiteren Weg erkundet haben, mittlerweile ein Auto mit einem schwedischen Ehepaar mit Tochter auf dem Rücksitz angehalten. Die Frau spricht recht gut englisch, auch der Mann kann ein bisschen davon, so dass wir uns verständlich machen können, bist die Frau meint, zu wissen, wo wir herkommen.

Die Beiden sind sehr freundlich und bieten mir an, mich dorthin zu bringen, um unser Auto zu holen. Nach 15 km Fahrt in die entgegengesetzte Richtung, in der wir gelaufen sind und nach einer nette Unterhaltung im Auto sind wir in Stensjö auf dem Parkplatz. Erleichtert bedanke ich mich vielmals für die Freundlichkeit der Familie, mache ein paar Komplimente auf schwedische Gastfreundschaft, die Familie fährt vor mir her, bis wir bei Gabi und Fetzens angelangt sind. Wir winken dem Auto unserer Nothelfer nach, bevor wir nach Hause fahren, einem schmalen Sträßchen durch den Wald entlang, vorbei an kleinen Weilern, bis zur Straße nach Kristalda und von dort nach Hause

Zum Abendessen gibt es Wurst, Limburger, saure Gurken, Pellkartoffeln und Butter, als Vorspeise die gefundenen Pilze mit Zwiebeln, Ei und Butterbrot, bis wir gegen 23.00 Uhr ins Bett gehen, draussen ist es immer noch dämmerig-hell.

 

Montag, 21.07.03

 

Heute schlafen wir lange, bis 10.00 Uhr und frühstücken bis 13.00 Uhr.

Hans hat sich von seinem Sturz gestern einen fetten Bluterguss im Bein geholt, so das wir zunächst befürchten, er hätte sich vielleicht eine Arterie verletzt, beschließen aber, die Schwellung erst mal mit einem Kühlakku und weiteren kalten Umschlägen zu behandeln, bevor wir eventuell einen Arzt aufsuchen. An einen grösseren Ausflug ist jedenfalls vorerst nicht zu denken.

Traudel, Gabi und ich fahren nach Hultsfred zum Supermarkt und kaufen Wasser, Bier (Norlands Göld, 3,5%, das, für "kastriertes" Bier trotzdem recht ordentlich schmeckt), Brot und "Halonkräm": Himbeersauce im Tetrapak, etc.

Am Nachmittag zieht es mich in den Wald, rund um unser Haus. Der Weg ist etwas beschwerlich, über bemoostes Felsgeröll, das hier, am Talrand, vor 10.000 Jahren von den Gletschern aus der letzten Eiszeit beim Abtauen abgelagert wurde.

Dazwischen wachsen Kiefern, Fichten und Birken, geröllärmere Stellen sind dicht mit Heidelbeersträuchern bewachsen, die Felsen mit einem dichten Filz graugrüner Strauchflechten bedeckt Es ist warm und die Sonne zeichnet irisierende Lichtflecken auf Felsen und Moos, ein großer Waldkauz wird von mir aus dem Unterholz aufgescheucht und fliegt mit breiten Schwingen fast lautlos hinauf ins flechtenbewachsene Geäst der Bäume.

Da und dort leuchten die rötlichen Schirme von Rotkappen zwischen den weissen Birkenstämmen hervor, so dass ich bald eine kleine Pilzmahlzeit aus Rotkappen, Stockschwämmchen und ein paar Pfifferlingen beisammen habe.

Unten am See, der blau durch das Schilf am Ufer zu mir herüber schimmert, laufe ich zurück zum Haus, im weichen Schlamm des Ufers führen Elchspuren in den sumpfigen Erlenbruch.

 

Dienstag, 22.07.03

 

Schwere Wolken ziehen über den Himmel, es regnet hin und wieder, als wir am Morgen aufstehen, die Luft ist warm und riecht nach Erde und Laub.

Wir fahren über Hultsfred Richtung Vimmerby und dann, an einem Kreisverkehr Richtung Mariannelund.

Etwa auf der Mitte der Strecke weist uns ein brauner Wegweiser zu der alten Kirche von Pelarne und nach Bullerby, dem Geburtsort von Astrid Lindgren, Handlungsort der "Kinder von Bullerby" und Zufluchtsstätte für die Sehnsüchte der Kinder dieser Welt und allen, die im Herzen Kinder geblieben sind.

Die Kirche von Pelarne ist eine schlichte Holzkirche, deren Ursprünge auf das 14. Jahrhundert zurückgehen.

Goldenes Licht aus, von der Decke hängenden, mehrarmigen Leuchtern, lädt den Besucher durch die offene Kirchentür zum Verweilen ein.

Das Innere der Kirche ist schlicht und hell, an der weissen Holzwand hängt eine geschnitzte, gotische Christusfigur, an der rohen Holzwand im Altarraum sind noch Spuren von Zeichnungen aus dem 14. Jahrhundert zu erkennen.

Erstaunlich, wie sich eine solche, schlichte Kirche aus Holz über die Jahrhunderte hinweg erhalten hat, ohne Schaden zu nehmen!

Abseits der Kirche steht auf 3 mächtigen Holzsäulen der, ebenfalls hölzerne Glockenturm, die Fenster des Turms sind geschlossen bis zum nächsten Festtagsgeläut.

Bullerby ist ein Gehöft im typisch rot-weissen Schwedenstil, ganze Pilgerscharen von Familien mit Kindern sind dorthin unterwegs, ebenso der bunte "Bullerby-Express", ein überdachtes Pferdegespann, das vom Parkplatz zum Hof hin und her fährt.

Im großen, ehemaligen Wirtschaftsgebäude, das von breiten Ulmen umstanden ist, ist heute ein Restaurant, auch ein anderes Gebäude mit Souvenirladen ist ebenfalls zur Besichtigung freigegeben, wir rätseln, welcher der umstehenden Bäume der berühmte "Limonadenbaum" ist.

Aus der runden Einstiegsöffnung einer hohlen Ulme strecken Kinder die Köpfe heraus und lassen sich von den Eltern fotografieren.

Ein Stück weiter, Richtung Mariannelund, rechts der Strasse Richtung Rumfors steht inmitten wacholderbewachsenem Weideland die altehrwürdige, über 1000 Jahre alte Kvill-Eiche, ein mächtiger, hohler Baum, der mit Eisenbändern vor dem Auseinanderbrechen geschützt ist. Die Ränder des Weges dorthin, sind mit gelbblühendem Johanniskraut und blauen Flockenblumenköpfchen geschmückt. Inzwischen ist auch die Sonne wieder da!

In der Nähe, bei Ydrefors, liegt an einem reissenden Flüsschen mit schwarzbraunem, anmoorigem Wasser, eine alte Papiermühle.

Die verwitterten, aus groben, grau-braunen Balken, in Blockhausbauweise zusammengefügten Gebäude zeigen dem Besucher, wie in alter Zeit dort aus zermahlenen Lumpen per Hand Papier geschöpft wurde. Bis in die 30-er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde dort noch Papier hergestellt, ein wichtiger Nebenerwerb für die umliegenden Bauern.

In der eigendlichen Papiermühle wird auch noch gelegendlich der Fertigungsprozess vorgeführt, im grossen Wirtschaftsgebäude nebenan zeigen ein weiträumiger , gemauerter , weiss verputzter Herd und weitere Gerätschaften, illustriert von Bildern an der Wand, wie das Leben der Püapiermacher damals ablief, in einem Videoraum wird ein alter, flimmernder Film von 1920 vorgeführt, der die einzelnen Arbeitsläufe zur damaligen Zeit anschaulich zeigt.

Einige Kilometer weiter Richtung Eksjö, durch lichte Kiefernwälder, führt unser weg zu einer geologischen Besonderheit. Von einem Parkplatz aus laufen wir einen Weg abwärts zu einer Schlucht, die sich aus einer Verwerfungszone gebildet hatte, als das kilometerdicke Eis schmolz und das Land sich, nachdem der Eisdruck beseitigt war, sich wieder hob.

Vorbei an moos- und flechtenbewachsenem Fels verengt sich der Weg und führt hinab in ein enges Waldtal, links von uns wächst eine immer höhere, absolut senkrechte Wand aus rotem, mit Laub- und Lebermoosen bewachsenem Porphyr zu beeindruckender Höhe heran, umgestürzte Bäume müssen wir überklettern, bis wir auf dem, langsam sich neigenden Grund der Schlucht angelangt sind. Die rechte Seite der Schlucht besteht zunächst aus zusammengewürfelten, bemoosten Porphyrblöcken, doch auch aus diesen erwächst langsam eine senkrechte Mauer. Die Schluchtoberkanten nähern sich langsam bis auf wenige Meter.

Da Hans aufgrund seiner verletzungsbedingten Gehbehinderung nicht mehr weiter laufen kann, kehren die Anderen um, ich laufe noch ein paar Meter weiter und lasse dieses beeindruckende Schauspiel, auf einem bemoosten Stamm sitzend, noch etwas auf mich einwirken, bevor ich ebenfalls umkehre.

Eksjö ist ein nettes kleines Städtchen auf halber Strecke nach Jönköping, mit bunten Holzhäuschen, Cafe`und Eisdiele, kleinen Kunstgewerbelädchen und einem weitläufigen Platz, dominiert von Kirche, bewacht von einem ehernen Reiterstandbild Gustav-Adolfs III.

Wir fahren am Abend noch ein bisschen auf einer, landschaftlich schönen Straße, entlang an Seen, Weiden und Wäldern Richtung Kisa, bis wir über Ydrefors, Mariannelund und Hultsfred gegen 21.00 Uhr wieder zu Hause sind. Zum Abendessen gibt es deftiges Ratatouille mit Zwiebeln, roten Bohnen,Zuccini, Cabanossi und Tomaten.

 

Mittwoch, 23.07.03

 

Nur kleine, weisse Wölkchen ziehen über den Himmel, als wir über die breite, 6 km lange Brücke von Kalmar aus nach Öland fahren.

Gleich hinter der Brücke rechts ist ein Informationszentrum, wo wir uns mit Broschüren und Faltblättern eindecken.

Nach einer Tasse Kaffee brechen wir dann auf in Richtung des Insel-Südens.

Bei Vickleby geht es hinauf zum Alvar, der kargen, flachen Hochfläche der Insel: Ein Kalkplateau, gebildet aus den eben gebankten, rötlichen Kalksteinen des Ordoviciums.

Bis zum Horizont erstreckt sich hier eine steppenartige, als Weideland genutzte Landschaft, durchzogen von Feldsteinmauern als Abwehr der Winderosion und gleichzeitig Abgrenzung der Weideflächen. Da die Steinplatten eine ziemlich gleichmässige Dicke haben und eben sind, sind die Mauern nahezu fugenlos.

Am Strassenrand innerhalb einer derart ummauerten Fläche ist ein Aufschluss zu sehen, wir halten an und ich laufe mit Hammer und Meissel in der "Geologie- Tasche" bewaffnet los, um mir die Sache mal näher anzusehen.

Zwischen kargem Gras blüht hier der blaue Natternkopf zwischen niedrigen Glockenblümchen und gelbblühenden, kleinen Fingerkrautsträuchern. Im Frühjahr, jetzt ist es leider schon zu spät, sollen hier zahlreiche Orchideenarten blühen. Weit oben am Himmel singt in der Ferne eine Lerche.

Bereits nach wenigen Minuten finde ich im Aufschluss die ersten Orthoceraten- Gehäuse und schöne, grosse Trilobiten- Schwanzschilder, dies ist schon mal ein guter Einstieg in die Paläontologie und Geologie dieser fossilienreichen Insel! Auch Hans ist ein paar Minuten mit in den Aufschluss gekommen, geht aber nach einiger Zeit wieder zurück zum auto, ich bin so ins "Schotter machen" vertieft, dass ich gar nicht merke, wie die Zeit vergeht, bis mich Gabi, heftig mit den armen gestikulierend an die verstrichene Zeit mahnt und ich schwer beladen zum auto zurücklaufe.

Die Kirche von Resmo ist die älteste erhaltene Kirche auf Öland, erbaut 1000 n.Ch., aus Stein erbaut, mit verwitterten Wandmalereien im Inneren.

Weiter über das Alvar nach Stora Brunneby im Westen der Insel. Unterwegs noch einmal Halt an einem Steinhaufen mit weiteren Fossilienfunden u.a. einer Steinplatte mit mehreren Trilobiten-Schwanzschildern.

Zunächst fahren wir, im Westen angekommen, noch ein Stück nach Norden, vorbei an Hügelgrabanlagen der Eisenzeit, 300 n.Ch., bis wir, auf der Suche nach einem Picknikplatz am Meer nach Sandby fahren, es geht zwischen Steinmauern auf Feldwegen entlang, immer das Meer in Sicht, wir kommen aber nie bis zum Meer selbst. Hier, wo es fruchtbarer ist, als auf dem Alvar, wird zwischen den Mauern auch Gerste angebaut, die sich golden in der Sonne wiegt, manchmal mit roten Tupfern von Klatschmohn durchwirkt.

Wieder an der Hauptstrasse, versuchen wir es nochmal. In der Nähe stehr eine Malerin an einer Staffelei, an der wir nun schon das zweite Mal vorbeirauschen und noch ein drittes und viertes Mal, als wir wiederholt umkehren! Die Gute hat wohl aus lauter Verzweiflung über die Störungen am Ende ihren Pinsel verspeist.

Endlich, in Höhe Stenasa ein Weg zum Meer! In der Nähe eines Campingplatzes ein Sandstrand, wo wir uns im Schatten der Weiden auf unseren Decken am Strand niederlassen.

Das Wasser am Ufer ist hier sehr flach, erst weit draussen kann man schwimmen, ein Holzsteg führt hinaus aufs Meer, auf dem bleichhäutige Schweden auf- und ablaufen.

Weiter, Richtung Süden ein Abzweig zu einem kleinen Hafen bei Skarlöv mit rotweissen Fischerhütten und bunten Fischkuttern am kleinen Kai. Hier lebten die Leute, wie eine Tafel erklärt, früher vom Plündern von Wrackschiffen, bis sie sich mehr dem Fischfang widmeten.

Einige Neuankömmlinge tragen Fernrohre auf Stativen auf die Kaimauer zur Beobachtung der Wasservogelwelt.

Im Süden die rekonstruierte Fliehburg aus der Eisenzeit: Eketorps Borg, eine mächtige, zinnenbewehrte, 5m hohe Ringmauer aus aufgeschichteten Steinen, mit einem Durchmesser von ca. 300 m umschliesset ein eisenzeitliches Dorf rietgedeckter, niedriger Häuser und Stallungen, deren zentraler Teil in Vitrinen Augrabungsgegenstände zeigt.

Die, am Mauerring gelegenen Häuser, original nach alter Holzbauweise errichtet bieten mit zeitgerechter Einrichtung ein Zeitfenster in die Lebensweise der Einwohner, unterstützt durch Frauen, Kinder und Männer in originaler Leinenbekleidung aus jener Zeit, die die Fertigkeiten vergangener Zeiten den Besuchern vorführen.

Auf dem Weg zur Ostküste erneut ein kleiner Stop an einem Aufschluss, der beim Aushub eines Wassergrabens entstanden ist. Da die Humusschicht hier nur etwa 3o cm beträgt und dann eine nahezu geschlossene Gesteinsschicht folgt, besteht der Aushub meist aus fossilhaltigen Steinplatten, wieder mit Orthoceraten unt Trilobitenresten, ich finde auch ein Schwanzschild eines besonders grossen Exemplars mit Ausmassen von ca. 8 x 6 cm!

Daneben ein Platz, wo die Humusschicht bis auf den Stein abgeschoben ist: Bretteben, als wie mit grossen Steinplatten gepflastert, liegt die oberste Schicht auf ca. 30 qm frei, ich stehe auf leicht, duch Wellenschlag gerippeltem, versteinertem Meeresboden, teilweise mit bis zu 50 cm langen Orthoceraten, die aber ohne längere, schweisstreibende Arbeit wohl nur schwer zu bergen sind, so dass ich mich mit ein paar Handstücken begnüge. Es ist schon ein seltsames Gefühl, am Grunde eines Meeres zu stehen, 350 Millionen Jahre nachdem die, nun versteinerten Tiere, hier majestätisch durchs flache, sonnenbeschienene Wasser einer tropischen Lagune schwebten, zu einer Zeit, als auf dem benachbarten Land ausser Algen und ersten, aus einfach gegabelten Pflanzen bestehenden Wiesen am Meeresstrand noch keine höheren Pflanzen und Tiere zu sehen waren, die erst Millionen Jahre später die trockene Erde jenseits der Ozeane erobern würden.

Weiter, nach Norden, kommen wir immer wieder vorbei an, hier auf Öland weit verbreiteten, hölzernen Windmühlen, einst über 3000, heute "nur noch" 300, daneben, als Zeichen der Moderne, die schlanken, hochaufragenden, weissen Windräder, Rückkehr des Menschen zu umweltschonenderer Energieerzeugung wie zu Zeiten, als rücksichtlose Ausbeutung der Natuschätze noch keine Rolle spielte.

Eine solche, alte Windmühle wirft in der Spätnachmittagssonne lange Schatten auf ein Gräberfeld der Eisenzeit: Steinsetzungen in Schiffsform, vorne mit Bug und Heck, seitlich mit Schildsteinen lassen die schlanke, windschnittige Form der einstigen Schiffe eines Seefahrervolkes erahnen, das später als Wikinger bis vor die Tore von Istanbul segelte.

Beim Einkauf später, in einem Supermarkt, steht mir einer ihrer Nachfahren gegenüber: schulterlanges blondes, gelocktes Haar, bärtig und stämmige Figur, eisblaue Augen, mit schwarzer, langer Lederhose und Lederjacke, daneben eine schlanke, langhaarige, schwedische blonde Frau, die gerade aus dem Regal Dosenbier in den Einkaufswagen legt.

Auf der Küstenstraße entlang über Oskarshamn und über Kirstdala fahren wir zurück, zum Abendessen: Der, noch etwas mit Bohnen, Fleisch und Erbsen aufgebesserte Rest des Ratatouilles von gestern und als Nachspeise: Pfannenkuchen mit Preisselbeeren.

 

Donnerstag, 24.07.03

 

An Vimmerby vorbei, führt eine Strasse zur sonnendurchfluteten, bewaldeten Küste unterhalb von Västervik, vorbei an zahlreichen Seen in das Schärengebiet. Ab Blankaholm fahren wir am frühen Nachmittag auf gewundener Schotterstrasse um blauschimmernde, fjordähnliche Meereszungen und Seen herum, in einem der Fjorde liegt ein grosses Segelschiff aus holz mit einem, noch gerefften hellroten Vorsegel.

Bei Gunnebo geraten wir wieder auf die E22 nach Västervik.

In der Tourist- Info, einem, im schwedischen Gründerstil errichteten weiss-roten steinernem Badehaus decken wir uns mit Stadtkarte und Informationsmaterial ein und kaufen Schiffskarten für eine Schärenrundfahrt am Abend.

Västervik ist ein lebhaftes Hafenstädtchen, mit Straßencafe`s entlang der Hafenmole, auf dem Platz vor dem Hafen ist ein Tagesmarkt mit hölzernen Buden, in denen Kleider, Kunsthandwerk, Kosmetika u.a. verkauft werden.

Offensichtlich ist hier auch ein Motorradfahrertreffen, auf den Straßen dröhnen die schweren Motoren der Harleys, lederbekleidete Männer und Frauen schlürfen ihre Getränke in den Strassenlokalen.

Wir begeben uns auf einen Rundgang duch die Stadt, Traudel möchte die einzelnen Sehenswürdigkeiten abklappern, wir haben aber eher lust auf einen eher ziellosen Stadtbummel, so dass wir uns trennen.

Wir setzen uns zunächst auf eine Bank in die Sonne und schauen dem Treiben im Hafen zu: Ein Mann legt mit seinem Motorbötchen am hölzernen Landesteg an, zieht die Persenning auf und geht mit seinen Sachen an Land, draussen in der Bucht tummeln sich die Möven auf dem Wasser.

Unser Bummel stadteinwärts, vorbei an zahllosen Schaufenstern führt uns in die Altstadt mit bunten Holzhäuschen des ehemaligen Seemannsviertels, die mittlerweile teilweise an Touristen vermietet werden, in ein, mit Kletterrosen und Clematis bewachsenes Cafe` mit schattigen Tischen, wo wir uns eine Tasse Kaffee und Blaubeerkuchen bestellen. Zwischenzeitlich kommen auch Hans und Traudel vorbei, setzen sich zu uns und wir schlürfen gemeinsam.

Weiter, ziellos durch die Stadt,

Traudel kauft in einem Laden einen edlen Dosenöffner, zurück am Hafen setzen wir uns auf eine Bank, ich laufe noch ein bisschen über die hochklappbare Brücke der Hafeneinfahrt zur Schlossruine von Västervik, in der sich einige bunt-schrille Punks tummeln.

Gegen 19.30 Uhr laufen wir mit der MS Vreeden aus, hinaus in die Schären, auf eine Lunchtour.

Eine grosse Schale mit Garnelen steht auf dem Tisch, wir bestellen Weisswein dazu und pulen die Schalen von den Garnelen, während draussen die Inselwelt an uns vorbei gleitet.

Die leere Schale wird durch Volle ersetzt, bis wir reichlich satt sind.

Inzwischen, es ist mittlerweile 21.30 Uhr, nähert sich die Abendsonne dem Horizont und wirft goldenes Licht auf das ruhige Meer.

Immer neue Ausblicke auf die bewaldeten Inselchen, teilweise mit stattlichen Ferienhäuschen und Segelbooten am Bootssteg.

Gegen 22.00 Uhr ein 20-minütiger Landgang, dann in der Abenddämmerung zurück nach Västervik, der Leuchtturm an der Hafeneinfahrt zeigt uns den Weg, beinahe wäre ich bei einer Zwischenlandung an einem Campingplatz verfrüht ausgestiegen!

 

Freitag, 25.07.03

 

Heute machen wir uns einen ruhigen Tag, es gibt nicht viel zu berichten: Wir schlafen lange, ich fahre mit Hans nach Vena zum Tanken, dann zum Haus von Ulrike, da wir die Ruder von unserem Ruderboot nicht finden können.

Nachmittags gehe ich nochmal in den Wald zum Pilzesuchen, in der ferne grollt ein Gewitter!

Klettern über bemooste Steine, dazwischen Rotkappen, Pfifferlinge und Reifpilze.

Das Gewitter zieht allerdings vorbei.

 

Samstag, 26.07.03

 

In Växjö laufen wir vom Parkplatz über einen Friedhof zur Tourist- Info am Bahnhof, dann über die Gleisbrücke hinüber zum Smalandmuseum.

Hier der erste Einstieg ins Glasreich (Glasriket) Schwedens im Dreieck Växjö-Kalmar-Hultsfred.

Hier bekommen wir einen schönen Aufriss der Glaskunst in Schweden, von den Anfängen im 17. Jh. Bis in die Moderne.

In der Stadt ein peruanischer Umzug: die bunten Tänzer laufen durch die Strassen zu peruanischer Volkloremusik, manche mit klassischem, aztekischem Profil.

Der zweitürmige Dom der Stadt mit roter Fassade, ist im Innern leicht barockisiert, der Altar ist ebenfalls, wie könnte es anders sein, als Glasrelief gestaltet!

Weiter nach Kosta Boda, einem der Zentren der Glasmanufaktur.

In den Verkaufsräumen wunderschöne Exponate der dortigen Glasdesigner, mir gefallen insbesonders die blauen Exponate an schön geschwungenen, asymmetrischen Schalen.

Eine Sonderausstellung von Mats Johanson und Anne Nilsson zeigen in einem verdunkelten Raum Glaskunst-Körper, geheimnisvoll leuchtend in höchster Vollendung: In blauen Meerestiefen, umgeben von Luftblasen schwimmen Fische im Glas, aus erstarrten, schaumgekrönten Wellen erheben sich Wasservögel, einen gläsernen Wasserschleier um die Flügel beim Auftauchen aus blauer Meerestiefe, schlanke Glaskörper mit schleierartigen, bunten Einschlüssen wie Meertang, leuchten in der Dämmerung.

In der Tourist- Info von Kalmar eine Ausstellung des Holzschnitzers Axel Peterssons, genannt "Döderhulter", der mit grobem, aber doch auch wieder feinem Ausdruck das Landleben seiner Umgebung meisterkhaft in Holzminiaturen umgesetzt hat: Hochzeiten, Begräbnisse, den prügelnden Dorfschulllehrer, Tanzpaare, Fngerhakler und die Tiere des Bauernhofes.

Im Burggraben des Schlosses von Kalmar herrscht buntes mittelalterliches Treiben: Feuerschlucker, Gaukler und Ritter mit Schwert und Harnisch, edle Damen in prächtigen Gewändern ziehen durch die Marktstände, Schmiede haben ihre Werkstätten aufgebaut und fertigen Messer, Scheren und Pfeilspitzen, Musikgruppen mit Flöte und Laute spielen zum Schauspiel, Troubadure ziehen mit Harfe durch die staunende Menge.

Das Schloss selbst, eine mächtige Trutzburg gegen dänische Einfälle zeigt in seinen Sälen wertvolle Gobelins mit allegorischen Motiven, umrahmt von Mobiliar vergangener Jahrhunderte, darunter prachtvolle Schränke, Stühle und ein, mit Holzschnitzereien verziertes Himmelbett der Renaissance.

Wir schlendern noch ein bisschen durch die angrenzenden bunten Holzhäuser der Altstadt und durch einen aufgelassenen Friedhof mit alten Grabsteinen aus dem 18. Und 19. Jahrhundert zurück zum Auto und fahren auf die benachbarte Zentrumsinsel mit dem Barockdom, stark beeinflusst von der italienischen Dombauweise des 18. Jahrhunderts.

 

Sonntag, 27.07.03

 

Wieder ein "Lazy Day" zum ausruhen und Faulenzen, ich klettere wieder im felsigen Urwald über dem See bei unserem Haus herum, um Pilze zu sammeln, finde auch ganz ordentlich was, nacchmittags fahre ich mit Hans zum Supermarkt, wir werfen eine stattliche Anzahl von leeren Bierdosen und PET- Flaschen in den dortigen Rücknahmeautomaten, kaufen Brot, Eier, Milch, Holzkohle und Korteletts. Der Himmel bewölkt sich langsam, am Abend fällt warmer Nieselregen, was unserer guten Stimmung aber keinen Abbruch tut.

Am abend grillen wir eine Runde, ich brate dazu die gesammelten Pilze , und bereite ein Gurkengemüse mit karamelisierten Zwiebeln, abgelöscht mit Essig und mit Dill abgeschmeckt.

Anschliessend würfeln wir noch ein bisschen "Hindenburg"

 

Montag,28.07.03

 

Heute ist es ein bisschen regnerisch, als wir erst nachmittags starten, nachdem wir lange ausgeschlafen haben.

Wir fahren zunächst nach Vimmerby, der Stadt, die geprägt ist, vom Werk Astrid Lindgrens.

Bereits in der Tourist- Info Pippi Langstrumpf als Stoffpuppe und auf T-Shirts, sowie eine Menge Kinderspielzeug: brummende, quietschende und quakende Enten, Frösche und Elche aus Stoff und Vieles mehr.

Auch auf dem Marktplatz der Stadt ein grosser Spielplatz, mit einem Seeräuberschiff zum Klettern und bunten Miniatur- Holzhhäuschen im schwedischen Landstil.

Astrid- Lindgrens värld ist eine Art Lindgren- Disneyland.

Wir parken auf dem riesigen Parkplatz und laufen zu Astrid-Lindgrens gardan, wo eine Ausstellung über ihre Person, ihr Werk und ihre Illustratoren gezeigt wird.

Viele Originale ihrer Hauptillustratorin sind hier ausgestellt, weiter zeigen Fotor und ländliche Dioramen sie selbst, die Schauplätze ihrer Handlungen und die Zeit ab 1909, in der sie aufwuchs.

In Djursdala, etwa 10 km nordösttlich von Vimmerby auf einer, von Viehweiden umgebenen Anhöhe eine sehr alte, kleine Holzkirche aus dem 14. Jahrhundert.

Die gesamte Kirche ist in ihrem Innern mit allegorischen Bildern aus der Bibel bemalt, in Rot- und Blautönen auf die rohen Holzbretter der Innenverkleidung der Decke und der Wände.

Auch Moses und Heilige der Kirchengeschichte sind hier dargestellt, es riecht nach altem Holt und Teer.

Der, die Kirche umgebende Friedhof mit dem mächtigen, hölzernen Glockenturm ist von einer Steinmauer umrahmt, die von innen mit Erde schräg angeschüttet ist. Auf der Schräge wachsen Mauerpfeffer und prächtige, grosse Hauswurzen. Von hier aus haben wir einen schönen Blick auf die Seelandschaft drunten im Tal.

Auf einem gewundenen Sträßchen fahren wir durch den Wald, vorbei an kleinen Weilern, über Frödinge und Tuna und Vena zurück nach Hause.

 

Dienstag, 29.07.03

 

In der Nacht hat es geregnet, als wir nach einem kurzen Frühstück un 06.30 Uhr nach Stockholm aufbrechen.

Um 10.00 Uhr fahren wir in der Vorstadt auf einen Parkplatz an der U-Bahn, ein neben uns parkendes Pärchen sagt uns aber, dass wir auch in der Innenstadt genügend Parkplätze finden würden.

An einer langgestreckten Mole, gegenüber dem Stockholmer Stadthuset finden wir schliesslich nach einigem Hin- und Herfahren einen Parkplatz und laufen über die Brücke hinüber nach Gamla Stan, der Altstadt, vorbei an der Ritterkirche und dem Ritterhaus durch belebte Gässchen mit zahlreichen Souvenirläden, zum Stockholmer Schloss.

Gerade, als wir mittags ankommen, ziehen die Dragoner, hoch zu Pferde, mit silbern und golden polierten Pickelhauben, mit, zum Gruss erhobenen blanken und blau- weissen Uniformen zur Wachablösung ins Schloss, begleitet von strammer Marschmusik.

Die Zeremonie im Schlosshof zieht sich über eine halbe Stunde hin mit Hin- und Hermarschieren im Stechschritt vor den Salutkanonen, eine prunkvolle Zeremonie.

Im Anschluss daran trennen wir uns, Fetzens wollen das Schloss besichtigen, uns zieht es eher zum VASA- Museum.

Wir sehen uns noch die "Tysk Kirka" an, die Kirche der deutschen Kaufmannschaft, die im 17. Jahrhundert erbaut wurde und in der auch heute noch Gottesdienst in deutscher Sprache abgehalten wird, eine dämmerige Kirche mit prächtigen Glasfenstern und barocker Ausstattung.

Anschliessend sehen wir uns noch die Schlosskirche, die Krönungskirche der schwedischen Könige an, mit den beiden, reich verzierten Logen des schwedischen Hochadels und einem 10 m hohen Monumentalgemälde des jüngsten Gerichts, sowie einem Gemälde einer aussergewöhnlichen Himmelserscheinung, als im 17. Jahrhundert in der Abenddämmerung am Himmel von Stockholm sieben kreisförmige Halos erschienen, was mich, als astronomisch, und was Wetterphänomene betrifft, interessierten Laien, natürlich besonders interessiert!

Wir laufen weiter zum Kulturzentrum mit der Tourist- Information, Gabi hat allerdings Probleme mit dem Fersenspann, so dass es nur langsam vorangeht.

Dort herrscht ein Betrieb wie bei uns in der Kfz- Zulassungsstelle: an einem Automaten ziehe ich eine Nummer und warte, bis ich drankomme, das dauert mir schliesslich doch erheblich zu lange, so dass wir uns schliesslich auf eigene Faust auf die Suche nach der Buslinie 47 machen, die zum WASA- Museum führt. Ein freundlicher farbiger Lotse zeigt uns schliesslich die Haltestelle, wir kommen aber erst im zweiten Anlauf in den Bus, da in diese Richtung ein heftiges Gedränge herrscht.

Es regnet kräftig, als wir aus dem überfüllten Bus aussteigen, der uns zum WASA- Museum fährt. Wir genehmigen uns an einem kleinen Stand noch einen Hot-Dog, bevor wir zum Museum laufen, einem mächtigen Betonbau, in Schiffsform stilisiert.

Innen, in der Halbdämmerung angekommen, bleibt uns zunächst mal die Luft weg, vor dem gewaltigen Anblick des prächtigen Schiffs, das nach 300 Jahren Schlummer im Schlick der Bucht von Stockholm, nahezu unversehrt geborgen wurde.

Auf mehreren Galerien lässt sich das Schiff in verschiedenen Etagen besichtigen, aus dem Kanonendeck ragen die 5o Läufe der Kanonen dieses, für seine Zeit gewaltigen Kriegschiffs, das das Prunkschiff der Flotte König Gustav Adolfs werden sollte, bevor es bei der Jungfernfahrt mangels Ballast im Kielraum wegen der hohen aufbauten Schrägseite bekam, bis das Wasser durch die Kanonenluken eindrang, so dass es sank.

Panoramen auf den Seiten der Galerien zeigen den Werdegang und den Schiffsbau zur damaligen Zeit, zahlreiche Funde aus der VASA sind in Vitrinen zu sehen, bis hin zur Kleidung der Matrosen, die in Resten bei den Toten gefunden wurde.

Der prächtige, hoch aufragende Heckaufbau ist mit zahlreichen Holzfiguren geschmückt, die einst farbenprächtig die Macht des Königs demonstrieren sollten und derzeit wieder im Originalzustand bemalt werden, nachdem sich Farbreste erhalten haben.

Ein Videofilm mit englischen Untertiteln zeigt uns noch die Originalaufnahmen der Bergung des Schiffes, wohl das grösste archäologisch-technische Unternehmen aller Zeiten.

Am vereinbarten Treffpunkt, dem Rathaus (Stadthuset) von Stockholm, einem mächtigen Ziegelbau mit hohem Turm, treffen wir schliesslich wieder auf Fetzens.

Auf der Heimfahrt beginnt unser auo zu russen, was es in letzter Zeit bei feuchhtem Wetter schon einmal getan hat, und verliert an Leistung, gottseidank verliert sich der Fehler nach einiger Zeit, wenn der Motor warm ist. Vermutlich dringt bei Regen von irgendwo Wasser in den Verbrennungsraum.

 

Mittwoch, 30.07.03

 

In der Nacht hat es kräftig gewittert, als wir am frühen Nachmittag Richtung Oskarshamn starten, mit russendem Auto, wie tags zuvor. Bei einer Peugeot- Werkstatt am Ortseingang erkläre ich das Problem und vereinbare einen Werkstatttermin.

Da unser Auto mittlerweile wieder normal läuft, fahren wir weiter nach Öland, um uns den nördlichen Teil anzusehen.

Bei Borgholm, auf einem Parkplatz im Zentrum setze ich Fetzens und Gabi ab und suche südlich von Borgholm in den kleinen Steinbrüchen bei Räpplinge nach Fossilien, finde aber nichts Gescheites, das ordovicische Gestein im Süden war wesentlich fossilreicher, insbesonders bei weniger bekannten Aufschlüssen.

Um 17.00 Uhr fahren wir weiter, halten an der steinigen Küste bei Aleklinta, einem weiteren Fossilienfundpunkt aus der Literatur, ich laufe den Strand entlang, bis zum mergeligen Küstenaufschluss.

Es gibt hier, wie einige, unten liegende Plattenbruchstücke zeigen, eine dünne, aber sehr fossilreiche Steinlage in der Wand, für einen kurzen Aufenthalt aber nicht so leicht auffindbar, zudem ist in Öland die Fossilsuche mit schwererem Gerät im Anstehenden nicht erlaubt, so dass ich mich auf einige Belegstücke beschränke, in der Hoffnung, zuhause noch den einen oder anderen Trilobiten freilegen zu können.

Weiter, im Norden, bei Källa, noch eine alte, steinerne Wehrkirche aus dem 13. Jahrhundert, von einer Steinmauer umrahmt.

Die Kirche ist leider zu, im Kirchhof im Gras, verwitterte, uralte, flechtenbewachsene Grabplatten, deren Inschrift nicht mehr zu entziffern ist.

Gabi telefoniert mit dem Handy nach Hause, Johannes ist dran, erzählt, dass Tobias seine Gesellen-Nachprüfung bestanden hat, ein Grund zur Freude!

Zum Abendessen bereite ich Gorgonzola- Nudeln mit Blattspinat und Räucherlachsstreifen.

 

Donnerstag, 31.07.03

 

Die Sonne scheint wieder vereinzelt durch die Wolken, als Gabi und ich aufbrechen, um nach Oskarshamn in die Werkstatt zu fahren, wo wir um 13.00 Uhr einen Termin vereinbart hatten.

Der freundliche Sohn den Besitzers gibt uns einen Leihwagen, einen Peugeot 307, so dass wir von dort nach Oskarshamn fahren können.

Es ist sonnig und warm, wir fahren zum Hafen, um uns nach der Inseltour zur Bla Jungfru, einer Felseninsel oberhalb von Öland, die als Nationalpark ausgewiesen ist, zu erkundigen.

Auf einer Tafel ist die Abfahrtszeit 14.30 Uhr und als Ankunft 16.00 Uhr angegeben, so dass wir, nachdem wir uns in der Werkstatt vergewissert haben, dass wir unser Auto auch nach 16.00 Uhr wiederbekommen, zur Tourist- Info fahren, um Schiffskarten zu holen.

Leider erklärt uns die freundliche Dame am Schalter, dass es sich um eine Tagestour handelt und die angegebene Abfahrtszeit, die auf Bla Jungfru meint.

Also bummeln wir noch ein bisschen durch die Geschäfte von Oskarshamn und den Stadtpark mit der Stadtkirche, um uns die Zeit zu vertreiben, essen Burger mit Pommes bei Mac Donalds, fahren durch Döderhult, bis wir um 16.00 Uhr wieder bei der Werkstatt sind, um zu erfahren, dass die Mechaniker nichts gefunden haben.

Zurück an unserem Haus gehe ich nochmal in den Wald, finde eine recht ordendliche Portion an Pfifferlingen und Herbsttrompeten, die wir uns am Abend zu Grillfleisch mit Röstkartoffeln, Salat und den restlichen Gorgonzola- Nudeln vom Vorabend, einverleiben.

 

Freitag,01.08.03

 

Abreisetag aus dem Smaland. Wir frühstücken spät und ausgiebig in der Sonne, ich fotografiere einige der zahlreichen Falter und andere blütenbesucher der gelben, fast 1.5 m hohen, unbekannten staude mit langen Blütenrispen im Garten vor dem Haus, die offensichtlic besonders nektarreich ist.

Anschliessend beginnen wir, das Haus aufzuräumen, während Fetzens nochmal zu Ulrike gefahren sind, die meint, sie hätte was gegen das geschwollene Bein von Hans.

Wir packen unsere Koffer, verstauen sie im Auto, nachmittags zieht ein Gewitter auf und bringt Abkühlung in den schwülen, heissen Nachmittag. Gegen 20.00 Uhr fahren wir dann nach Oskarshamn zum Hafen, um 21.00 Uhr öffnet der Ticketschalter, so dass wir reinfahren können.

Warten bis um 22.00 Uhr das Schiff eintrifft.

Heftige Betriebsamkeit im Hafen beim Ausladen des Schiffs: LKW-Hänger werden von Hafenarbeitern mittels Spezialfahrzeugen rückwärts aus dem Schiffsbauch geladen, neue LKW-s werden rückwärts verladen, einer zwängt sich durch die Autoreihen und beschädigt ein Auto hinter uns, mir reisst er fast den Rückspiegel weg, bevor der Fahrer aufgibt, de, Hänger abkuppelt und ohne hänger weiterfährt.

Ein wohlbeleibter Hafenarbeiter mit kurzen Hosen und gelbem Trikot, steht winkend und schwitzend zwischen den, in das Schiff fahrenden Fahrzeugen und lässt sich gleichmütig von den Mücken stechen, die in Schwärmen im Hafen herumfliegen, so dass wir es kaum wagen, die Fenster im stickigen Auto zu öffnen, schon gar nicht daran zu denken, draussen herum zu laufen.

Gegen 23.0 Uhr fahren wir selbst auf das Schiff und machen es uns in den Sitzreihen im Liegesaal bequem, bis um 23.55 Uhr das Schiff ausläuft.

 

Samstag,02.08.03

 

Die Nacht war etwas unbequem in den Liegesitzen, so dass ich nur etwa eine halbe stunde geschlafen habe: Das Eheparr hinter uns hat ziemlich laut geschlafen, ausserdem hielten sie sich beim Aufstehen immer an meiner Rückenlehne fest, sobald sie aufstandemn, so dass ich jedesmal kurz vor dem Einschlafen wieder aufwache. So verbringe ich die Nacht mit Lesen oder gehe auf das Oberdeck und betrachte die Sterne: Jupiter ist besonders hell und steht dicht über dem Horizont, die Seeluft ist warm, das Meer, weit drunten schäumt hinter dem Kiel, als das Schiff durch die Nacht zieht.

Gegen 4.00 Uhr erscheint dann der erste rote Wolkenstreif im Osten, der Himmel färbt sich langsam von Ultramarin zu Blau. Gabi kommt auch an Deck, als am Horizont dunkelrot die Sonne über dem Meer auftaucht, auch die Küste von Gotland schält sich langsam als dunkler Streifen am Horizont heraus, weit zu uns herüber blitzen die Lichter der Leuchttürme.

Um 05.30 Uhr fahren wir von Bord, Richtung Norden.

Bei der Kirche von Tingstäde, am gleichnamigen See halten wir. Die Morgensonne scheint zwischen den Bäumen hervor auf einen kleinen Rastplatz, davor eine ovale Steinsetzung, ein Grabmal aus der Eisenzeit und ein Tisch mit zwei Bänken, der zum Frühstück einlädt.

Wir packen unsere Sachen aus: Wurst, Marmelade, Brot, Butter, Kakao und was wir sonst noch in den Tiefen unserer Kühltasche finden und frühstücken in der morgendlich- angenehmen Kühle.

Die, von einem kleinen Kirchhof umrahmte romanische Steinkirche ist offen, innen schlicht mit Wandmalereien, zum Ostfenster scheint die Sonne herein und sendet ihre Lichtbalken in den Kirchenraum.

Auf dem Kirchhof ein steinernes altes Treppentor.

Das Wasser des Sees, auf dem einst ein Pfahldorf stand, wie archaeologische Untersuchungen zeigten, ist spiegelglatt und glänzt in der Morgensonne.

Auch in Martebo sehen wir uns eine ebenso alte Steinkirche an, die Portale sind mit romanischen Steinreliefs verziert, die die biblische Geschichte von der Geburt Jesu bis zum jüngsten Gericht darstellen.

Bei Lickershamn eine kleine Meerwesbucht. An der strasse zu dem kleinen Fischerdorf mehrere Raukare, eine geologische Besonderheit von Gotland: silurische, harte Riffstotzen, die der Verwitterung standgehalten haben und nun als Steinsäulen in die Landschaft ragen.

An der langgezogenen kiesig- sandigen Bucht tummeln sich vereinzelt Badende im Meer in der Morgensonne.

Nordwestlich des Strandes eine immer steiler werdende Küste, an der, verwerfungsfreie, gerade fossilreiche Lagen des Visby- Mergels auslaufen, voller tabulater und rugoser Korallen, Brachiopoden und Stromatoporen, vereinzelt auch Trilobiten- Kopf- und Schwanzschilder in allen Ausprägungen, manchmal auch Gehäuse der Schnecke Oristoma.

Schwer beladen kehre ich nach 1 ½ Stunden zum Auto zurück, Gabi und Fetzens haben inzwischen im Meer gebadet.

Weiter zur Küste nach Irevik, nordwestlich davon ebenfalls hochaufragende aufschlüsse der unteren und oberen Visby- Mergel, sowie des Högklint- Sandsteins.

In den Mergeln massenhaft Seelilienstengel, auch im Liegenden auf steinplatten, teilweise auch ansatzweise ganze Kelche, ansonsten eine ähnliche Facies wie in Lickershamn.

Leider habe ich nur 1 ½ Stunden Zeit, ich beschliesse aber, nochmal hierher zu kommen, um das Snipan-Kliff zu umrunden.

Bei Farösund warten wir in einer Autoschlange auf die Fähre nach Farö, inzwischen ist ein Gewitter aufgezogen, es regnet in Strömen, als wir auf die Insel fahren.

An der Kirche von Farö rufen wir Frau Berggren, die Vermieterin unseres Ferienhauses an, die nach 10 Minuten eintrifft. Nach einer kurzen Begrüssung im Regen entlang des Ufers des Mölnor- Träsk-Sees Richtung Hammars in ein Naturshutzgebiet durch karge, wacholderbewachsene Schafweiden um den See herum.

In den Fahrrinnen des Schotterwegs zu unserem Ferienhaus sind tiefe Pfützen, so dass das Wasser hoch aufspritzt, als wir durchfahren.

Unser Ferienhaus ist ein niedriges Holzhaus, eigendlich ganz hübsch eingerichtet, allerdings sind die Schlafzimmer etwas eng und die Kücheneinrichtung, wie sich später herausstellt, etwas spartanisch. Das Klo ist ein Plumpsklo draussen, im mit Kiefern und Wacholdergebüsch bewachsenen Garten, umringt von einer Lesesteinmauer.

Die Flächen um das Haus herum haben nur eine sehr dünne Humusauflage, bewachsen mit einer flechtendurchsetzten Trockenvegetation, mit roten Flecken blühenden Thymians, hier könnte man allein mit dem Bestimmen der artenreichen, bunten Flechten Tage verbringen.

 

Sonntag, 03.08.03

 

Auf einem Parkplatz vor der Altstadt von Visby stellen wir unser Auto in den Schatten, bevor wir in die, von einer hohen Stadtmauer umrahmte, mittelalterliche Altstadt laufen. Diese Woche dreht die ganze Bevölkerung, wie jedes Jahr im August, die Uhren zurück ins Mittelalter: Überall in der Stadt schlendern mittelalterlich gekleidete Männer, Frauen und Kinder durch die Strassen, bunt gekleidete Troubadure, Ritter mit Schwert, Harnisch und Kettenhemd laufen durch Strassen und Gassen.

                                     Wir laufen zunächst in Richtung Hafen zur Tourist- Info, um uns das Programm zu besorgen, dann trennen wir uns, Gabi und ich laufen durch sonnenbeschienene, mit Stein- und Holzhäusern gesäumte Gassen. Zunächst besichtigen wir das Haus eines reichen Lübecker Hanse- Kaufmanns, Hans Burmesters, der sich hier im 16. Jh. niederliess, ein hiesige Bürgertochter ehelichte und mit dem Osthandel reich wurde.

Das ganze Haus, in Blockbohlenbauweise errichtet, ist innen mit bunten Ornamenten und Jagdszenen bemalt, geschnitzte Möbeln stehen an den Wänden, die Kamine sind ebenfalls von geschnitzten Dienern in bunten Pumphosen bewacht.

Weiter geht es zum Strandgardet, dem Zentrum der Mittelalter- Aktivitäten. Auf dem Mittelaltermarkt werden Töpferwaren, Felle, Harnische, Schwerter und Rüstungsteile,                                      Kerzen, holzgeschnitzte Haushaltswaren etc. verkauft, auf der Wiese Spielmannsleute mit    mittelalterlicher Musik und bunte Gauklergruppen.

An der Stadtmauer entlang laufen wir zur Domkirche, wo um 15.oo Uhr ein Konzert der Musica Antiqua- Gruppe aus Oslo stattfindet, mit mittelalterlichen Liedern in altehrwürdigem Rahmen, beleuchtet durch Kerzen und die bunten Glasfenster der Kirche.

Weiter, vorbei an Kunsthandwerksläden der Stadt, durch buntes Treiben, überall Musik und mittelalterliches Treinben, in einer Kirchenruine eine französische Gruppe, die A`Capella- Musik singen, ein Umzug mit Würdenträgern hoch zu Ross zieht durch die Stadt, Gabi kauft in einem Laden fein ziselierten Silberschmuck.

Gegen Abend kaufen wir noch in einem Einkaufszentrum Zutaten für einen Kaiserschmarrn.

 

Montag,04.08.03

 

Die Kirche in Farö ist schlicht, innen weiss getüncht mit einem holzgeschnitzten Altar, darüber eine vergoldete sonne, mit roter, hebräischer Inschrift. An der linken Seitenwand zwei alte Bilder von Robbenfängern, die auf eine abbrechende Eisscholle gerieten und so mehrere Wochen bis zu ihrer Rettung auf dieser Scholle verbringen mussten.

Wir fahren weiter zum Farnavik, einem ehemaligen Wikingerhafen, damals eine Meresbucht, deren Zugang versandete, so dass inzwischen ein Binnensee entstand. Nur ein 90 m langer, im Kiefernwäldchen endender Stichkanal erinnert noch an den ehemaligen Hafen.

An der steinigen Küste weht ein scharfer Wind von der See her, wir laufen im Sonnenschein zu den dortigen Raukaren, einer ist als Torbogen ausgebildet, Ganze, versteinerte Korallenstöcke, und, wie Rieseneier aussehende, geschichtete Stromatoporen. Sowie Brachiopoden und Crinoiden als Begleitfauna belegen, dass es sich hier um silurische, versteinerte Riffe handelt, aus einer Zeit, als hier noch eine Lagune war, als Gotland noch am Äquator lag. Allerdings ist hier Naturreservat, so dass Fossiliensammeln, auch das Auflesen loser Fossilien, nicht erlaubt ist. So begnüge ich mich mit dem Fotografieren der herausgewitterten Versteinerungen.

Weiter, die Küste entlang, vorbei an dem kleinen Hafen am Lauterhorn, Richtung Langhammars. Die Küste ist hier rau und windig, mit zerklüfteten Raukaren übersät, die Grössten stehen am Ende der Strecke bei Langhammars.

Unser weiterer Weg führt uns am Haus vorbei, so dass wir gegen 15.00 Uhr eine Kaffeepause einlegen Die Flechten um unser Haus sind inzwischen wieder eingetrocknet und zusammengerollt, ein kleines Experiment mit Wasser auf einem Teller lässt sie wieder gelbgrün "erblühen".

Anschliessend fahren wir durch den Avanäs genannten Teil der Insel , vorbei an den schönsten Badestränder Gotlands: Nordersand und Sudersand, mit feinem, weissem Sand und flachen, warmen Ufern.. Bei Ulla Hau , einem Naturschutzgebiet, gab es einst hohe Wanderdünen, die mit Kiefern und Wacholder bepflanzt wurden, um sie zu stoppen.

Bei Sudersand gehen Fetzens und Gabi an den Strand, ich fahre zur felsigen Küste am Leuchtturm Farö, dem östlichsten Teil Gotlands.

Hier sind die Felsen massenhaft mit versteinertem Korallenschutt durchsetzt, an weniger verwitterten Steinen ist auch die Feinstruktur der Korallenstöcke zu erkennen, ich nehme mir ein Belegexemplar mit.

Ich fahre nach Süden, die Strasse 148 über Farö, wo am Supermarkt "Konsum" eine kleine Stichstrasse zur Küste in Richtung Hammars führt.

Der Weg endet auf einem Steinplateau, von dem grosse Schollen in Richtung Meer abgebrochen sind. Auch hier finde ich schöne Korallen und Brachiopoden aus dem Silur, durchsetzt mit Crinoidenstielgliedern.

Um 18.30 Uhr hole ich die Anderen wieder am Strand von Sudersand ab, wir gehen noch im Konsum einkaufen und ich zeige ihnen noch die Küste von Hammars, bevor wir den Abend mit Tortillas, Wein und Musik des russischen Komponisten Anatol Liadov beschliessen, der mit seinen Stücken "Kiki Mora" und "Baba Yaga" so wundervoll die Sagenwelt des Nordens in sinfonische Klänge umgesetzt hat. Draussen wölbt sich ein prächtiger Sternhimmel, unweit des Sternbilds Cassiopeia ist sogar der Andromedanebel mit blossem Auge zu erkennen.

 

Dienstag, 05.08.03

 

Um 06.30 Uhr stehe ich auf, draussen vor dem Haus wabern lange Spinnfäden an den Bäumen in der Morgensonne, hier hat offensichtlich schon der Altweibersommer begonnen. Am Ufer des naheliegenden Mölnor- Sees vereinzelte, schmalblättrige Sumpfknabenkraut-Orchideen, die gerade am Verblühen sind.

Die Sonne zeichnet Lichtflecken ins Wohnzimmer, als ich später am Notebook mein Tagebuch schreibe.

Gegen 09.00 Uhr kommen auch die Anderen aus den Schlafzimmern, wir frühstücken und fahren gegen 11.00 Uhr los.

Wir fahren zunächst nach Bunge ins Freilichtmuseum. Zentral auf dem Gelände stehen alte Bildsteine aus der Wikingerzeit, schilderbewehrte Langboote laufen hier aus, auf grosse Fahrt, auch Allegorien aus der nordischen Sagenwelt werden hier wieder lebendig Steinkreise und Grabstätten der Eisenzeit waren schon lange vor Ort, bevor das Museum begründet wurde.

Ein, mit Reet aus dem Moor gedecktes Bauerngehöft aus dem 17. Jahrhundert zeigt das Landleben zur damaligen Zeit, die Blockhäuser sind aus Balken gefertigt, die mit Moos und Flechten abgedeckt sind, die Stuben sind einfach, mit groben Holzdielen und mit Gerätschaften ausgestattet, ein Anbau des Hauses ist die Braustube mit einer Brennerei für Branntwein, in der Scheune stehen Leiterwagen mit grossen Speichenrädern. Auch eine Köhlerhütte , eine Schmiede und eine Fischerhütte sind mit entsprechenden Möbeln und den zugehörigen Handwerkzeugen ausgestattet und vermitteln ein lebendiges Bild der damaligen Zeit.

Verschiedene Wassermühltypen sind hier ausgestellt, für die unterschiedlichen Zwecke gebaut: zum Mehlmahlen, oder auch als Sägewerk.

Auch verschiedene Windmühlen sind hier ausgestellt, sie wurden nicht nur als Getreidemühle benutzt, sondern, wie eine grosse, spitzgiebelige Mühle zeigt, auch als Sägewerk.

Eine besonders kleine Windmühle wurde zum Kartoffelmahlen und als Antrieb für eine Kreissägen- und Drechselmaschinenwerkstatt benutzt.

Weitere Hofstätten runden das Bild des Museums ab.

Südlich von Visby erwartet uns am Högklint eine imposante Steilküste mit weitem Blick aufs Meer, zuvor habe ich mir in Visby noch einen Rucksack gekauft, für eine Wanderung entlang dieser Küste.

Gabi und Fetzens verabschieden sich für eine Tour ins Inland, ich laufe zunächst oben auf der Klippenkante entlang, durch einen Kiefer- und Wacholderwald mit herrlichen Ausblicken, weit hinaus aufs Meer, bis ich an einer flacheren Stelle den Abstieg über eine Geröllhalde zum schmalen Kiesstrand wage. Vorbei an kleinen, nach Teer riechenden Fischerhütten mit kleinen, bunten Booten am steilen Kiesstrand, bin ich nach der ersten Biegung um die hoch über mir aufragende, überhängende Klippe aus Visby- Mergel bald allein.

Mein Rucksack füllt sich langsam mit Korallenstöcken und schönen Stufen aus Korallen, Schnecken, Brachiopoden und Trilobitenresten aus dem Silur.

Immer wieder liegt zwischen dem älteren Gesteinsschutt am Fusse der Mergelhänge, aus dem die Fossilien schon von Wind und Meer freipräpariert sind, auch frisches Material aus Abbrüchen von der Kliffkante, so dass ich bald in Gewissensnot komme, welche Stücke ich mitnehme und welche ich (leider) liegenlassen muss.

Der Weg entlang des stufigen Kiesstrandes ist nicht unbeschwerlich, insbesonders, weil ich nach 2 Stunden bereits einen halben Zentner Fossilien mit mir herumschleppe.

An manchen Stellen versperren dicke Blöcke zwischen Meer und Steilhang den Weg, so dass ich entweder durch Klettern über die Blöcke, oder durch Waten im Meer sehen muss, wie ich weiterkomme.

Das Meer liegt strahlend blau in der Nachmittagssonne, die Hitze wird von einer steifen Briese vom Meer her gemildert, so dass ich trotz mühsamen Vokommens nicht ins Schwitzen gerate, ausser, dass mir langsam die Schultern drücken.

Der schmale Kiestrand ist teilweise von dicken, braungelben Blasentangmatten gesäumt, die nicht betretbar sind, ohne bis zu den Knöcheln darin zu versinken, so dass ich auf den Kiesterrassen, die oft unter meinen Füssen nachgeben, entlang laufe.

Der Weg ist zwar anstrengend, um jede Biegung herum werde ich aber mit neuen, grandiosen Ausblicken und Fossilienfunden belohnt, begleitet von Möven und Seeschwalben.

Nach 4 Stunden Fussmarsch sitzt ein Mann mit seinem Sohn am, ansonsen einsamen Strand, den ich nach meinem Standort frage. Ich erfahre, erleichtert, aber durstig, dass ich nur noch einen halben Kilometer vor meinem Ziel, dem kleinen Ort Blähill bin, wo mich Gabi und Fetzens wieder aufsammeln sollen.

Den Steilhang hinauf, verläuft an der Küste entlang einer Schotterstrasse, die Küstenoberlinie ist mit Betonbunkern mit Schiessscharten für Artillerie gesäumt, hier war bis 1982, zu Zeiten des kalten Krieges, militärisches Sperrgebiet. Gotland hatte wohl als Vorposten Schwedens vor den Ostblockländern jenseits der Ostsee eine wichtige strategische Bedeutung.

Oberhalb von Blähill, einer Ansammlung rot-weisser Holzhäuser, über die der Rauch und der Duft eines frisch angeheizten Grills zieht, liegt ein, von einer niedrigen Lesesteinmauer umgebener Granitblock, der als Erinnerungsstein an die ehemalige militärische Bedeutung dieses Ortes erinnert, unser vereinbarter Treffpunkt. Ich setze mich auf das Mäuerchen und blinzele in die Spätnachmittagssonne, die Blähill und das Meer in gleissendes Licht taucht.

Nach einiger Zeit kommen zwei Schweden- Autos, offensichtlich mit Lager-Veteranen, die sich, während die begleitenden jüngeren Frauen Richtung Blähill laufen, auf der Holzbank mit meinem Rucksack niederlassen und sich angeregt unterhalten.

Gegen 19.30 Uhr kommen dann auch Gabi und Fetzens, um mich abzuholen, in der untergehenden Sonne fahren wir wieder nach Farösund, kaufen im dortigen Supermarkt, der Gotlandspezialitäten feilbietet, noch heissgeräucherten Lammschinken zum Ausprobieren beim morgigen Frühstück.

Mittwoch, 06.08.03

 

Fetzens bleiben zuhause, Hans möchte sein Bein noch etwas schonen.

So fahre ich mit Gabi auf eine Tour, die Ostküste Gotlands entlang. Über Route führt unser Weg durch den sonnenbeschienenen Kiefernwald nach Valleviken, einem hübschen kleinen Hafenörtchen im Wald vor einer Meeresbucht, deren Ufer von Binsen gesäumt ist, im Hafen ein paar Kutter an der Mole. Richtung Fardume, am Binnensee Fardumeträsk am Strassenrand ein paar kleine, aufgelassene Steinbrüche im Slite- Mergel, voller Korallen, Brachiopoden und Trilobitenresten.

Weiter, Richtung Hellvi öffnet sich der Wald immer wieder zu Weideflächen und einzelnen Getreidefeldern, die golden in der Sonne liegen, wir fahren nach Hide, am Ende ein grosser, teils aufgelassener Steinbruch, der aber nur wenige Fossilien hat.

Vor Slite ein riesiger Steinbruch der CEMENTA- AG, einer der grössten Europas, an einem Parkplatz ein weiter Überblick über den Bruch, mit einer Informationstafel und einer hölzernen Eisbude, wo wir uns etwas zum Naschen holen. Über dem Bruch flattert die Fahne der Firma Heidelberger Zement, der deutschen Holding, der offensichtlich auch dieser Steinbruch gehört. Hier wird aus Silurkalkstein 75% des Zementbedarfs Schwedens hergestellt, wir fahren an dem riesigen Kalkbrennofen, den hohen Zementsilos und grossen Haufen von zerschredderten Autoreifen vorbei, bevor wir wieder auf die Hauptstrasse Richtung Gothem einbiegen.

Bei Amine fahren wir an die Küste, einen Waldweg entlang nach Gothemshammar. Wir halten an einer Stelle, an der an einer stufigen Terrasse die Klinteberg- Mergel und Kalke aufgeschlossen sind. Auf zwei dünnen Kalksteinlagern sind hier schöne Platten mit massenhaft Brachiopoden, Korallen und Häutungsresten von Trilobiten zu finden.

In Gothem eine schöne, alte Kirche aus dem 13. Jahrhundert, in deren romanischem Langschiff mit Kreuzgewölbe zahlreiche mittelalterliche Malereien zu sehen sind. Aussergewöhnlich: Eine überlebensgrosse Christophorus- Darstellung, auf der einen Seite der Papst mit der Papstkrone abgebildet, auf der anderen Seite: Mohammed mit Turban.

Bei Östergarn fahren wir an die Landspitze von Grogarnshuvud, am breiten Kiesstrand massenhaft ganze, silurische Korallen, Muscheln und vereinzelte Exemplare der Schnecke Euomphalus im Hemse- Kalk.

Weiter, die 144 entlang bis Hemse, eigendlich wollte ich noch bis in den Süden nach Hoburgen, aber der Tag ist bereits schon fortgechritten, es ist mittlerweile 17.30 Uhr, so dass wir den Mästermyr- Kanal, einem Enwässerungskanal der früher dort liegenden, ehemaligen Moore, entlang Richtung Sproge fahren.

Links und rechts in der absolut flachen Landschaft Acker- und Weideflächen.

Im Aushub des Kanals fanden sich früher im Hemse- Mergel ausgezeichnet erhaltene Trilobiten, insbesonders beim Weiler Snoder. Der Aushub ist aber mittlerweile überwachsen, nur noch an ein paar Stellen, wo für den Auslauf der Strassengräben der Aushubwall durchbrochen ist, liegt noch Rohmaterial. Ich finde dort ein gut erhaltenes Kopfschild als Belegstück.

Wieder nach Norden, sollen an der Küste bei Djauvik und Sandhamn die fossilienreichen Hemse- Mergel frei gespülte Fossilien an der Wasserlinie liefern, ich laufe zunächst einen steilen Mergelhang bei Djauvik entlang, sehr beschwerlich und glitschig, teilweise durchs Wasser und angespülten Tang, aber leider ohne Fossilien, ich bin wohl hier an der falschen Stelle. Damit ich nicht endgültig an einer Meer- Klippen- Engstelle ins Wasser falle, klettere ich mühsam die Klippe hoch und lasse mich von Gabi wieder aufgabeln.

Der weitere Strand ist bis Sandhamn mit stinkenden Tangmassen bedeckt, so dass ich die Fossiliensammelei ohne Erfolg aufgebe.

Oberhalb von Fröjel liegt am Strassenrand eine grosse Steinsetzung in Schiffsform aus der Bronzezeit in der Spätnachmittagssonne.

Südlich von Västergarn laufe ich über eine Pferdekoppel nochmals zum flachen Strand, wo ebenfalls Strandaufschlüsse im Hemse- Mergel sein sollen, aber auch hier das gleiche Bild wie in Sandhamn: Mehrere Meter breite und 20-30 cm dicke, verfaulende Tangmatten haben die Aufschlüsse zugedeckt.

Die Sonne geht gerade gegen 21.00 Uhr unter, als wir auf die Fähre über den Farösund warten.

 

Donnerstag, 07.08.03

 

Am späten Morgen ist der Himmel bewölkt, als wir über Tingstäde und Lärbro nach Burge, dem Endpunkt meiner geplanten Wanderung an der Westküste entlang, fahren.

Eine steile Holztreppe führt hinab zum Strand, an dem, umgedreht einige bunte Fischerboote liegen, ich präge mir den aufstieg ein, bevor wir nach Irevik, dem Ausgangspunkt meiner Wanderung fahren.

Am Strand steht ein beleibter Herr, der mich in recht gutem Deutsch anspricht, als er meine Ausrüstung sieht, und gibt sich als Geologe zu erkennen, der einst diese Gegend geologisch kartiert hat. Wir fachsimpeln ein wenig, bevor ich mich von den Anderen verabschiede und um 13.00 Uhr loslaufe.

Um das erste Kliff herum, muss ich die Schuhe ausziehen und durch das Meer waten, bevor ich wieder den festen Kiesstrand betrete.

Nach einigen hundert Metern bleibe ich an einem Mergelhang stehen, wo massenweise Crinoiden- Stielglieder und andere Kleinfossilien liegen, ich sammele bald eine dreiviertel Stunde, bevor ich weiterlaufe. Vom bedeckten Himmel fallen ein paar Regentropfen, der Wind von der See her ist warm und angenehm.

Auf dem weiteren Weg, am Kliff von Snipan vorbei, überall Crinoidenkalke und schöne Korallen, Muscheln, Häutungsreste von Trilobiten, Brachiopoden und Muscheln, oft ganze Lebensgemeinschaften des silurischen Meers auf einem einzigen Stein beisammen.

Dort, wo grössere Felsstürze bis ins Meer gehen, muss ich häufig über die grossen Blocksteine klettern, um auf der anderen Seite am Kiesstrand weiterlaufen zu können.

Bei Irevik komme ich auf eine breite Schotterstrasse, ich deponiere den schwereren Teil meiner Funde in einem Versteck im weisslich- grünen Strandried in der Nähe eines Campingplatzes.

In der Bucht von Irevik zusammengewürfelte rot- weiss gestrichene Holzhäuschen, die teils als Ferienhäuser, teils als Fischerhütten benutzt werden.

Es ist inzwischen 16.00 Uhr, die Wolken lösen sich langsam auf und die Sonne bescheint das blaue Meer, als ich, um einige Biegungen um das Jungfruklint herum, wieder an der menschenleeren Küste wandere. Hier sind die Strände breiter, teilweise wechselt der Kies in groben Sand in Meeresnähe, die Hänge sind mit Kiefern und Wacholder bewachsen, wo, an den Wänden durch wasserstauende Lagen das Wasser herunterrieselt sind dichte Polster des Kalktuffmooses Cratoneuron, hier kommt es auch häufig zu porösen Tuffbildungen.

Dazwischen aber auch immer wieder Fossilien, so dass mein Rucksack langsam wieder schwerer wird.

Die Wolken sind verschwunden, ich wandere in strahlendem Sonnenschein zwischen Basklint und Rauklint an einem wunderschönen, einsamen Sandstrand entlang, das Wasser ist hier kristallklar, weiter hinten, am Ufer liegen vereinzelt Baumstämme im Schwemmholz.

In der Höhe von Stenkyrkehuk stehen zwei einsame Fischerhäuschen, davor sitzen zwei wettergegegerbte Fischer mit Pudelmützen, der Eine schmaucht ein Pfeifchen, ich werde freundlich auf schwedisch begrüsst.

Als ich auf englisch zu verstehen gebe, kramt der Hagere von den Beiden seine Englischbrocken hervor, deutet auf das grosse, weisse Schiff der Silja- Line, das draussen auf dem Meer vorbeifährt und erzählt, dass dieses Fährschiff nach Finnland unterwegs ist, ausserdem sei vor 2 Tagen in Visby ein 200m langes Passagierschiff unter amerikanischer Flagge vor Anker gegangen.

Als ich zu erkennen gebe, dass ich von Irevik bis hierher gelaufen bin, meint er, ich müsse doch jetzt recht durstig sein, grinst durch seine Zahnlücke und holt einen Blechbecher mit Kaffee aus der Hütte. Auch der dickere, schweigsamere Fischer im Blaumann, winkt mir freundlich nach, als ich mich verabschiede.

Ich laufe auf einer Schotterstrasse durch den Wald in Kliffhöhe, da ich mich sputen muss um rechtzeitig am vereinbarten Treff in Burge zu sein.

Nach einiger Zeit führt der Weg wieder hinunter zum Strand, so dass ich noch über das Rönklint klettern muss, bis ich an den Strand von Burge komme, an dem mich Gabi und Traudel schon erwarten.

Oben auf dem Parkplatz steht eine grüne Schwengelpumpe, die Gabi betätigt, während ich mir den Schweiss vom Gesicht und dem Oberkörper wasche.

Auf der Rückfahrt räume ich noch mein Depot bei Irevik, bevor wir auf die Fähre nach Farö fahren, noch rasch ein Einkauf im Supermarkt, abends bereite ich Käsespätzle "tre formaggio" mit Gorgonzola, Emmentaler ,Goudakäse, Röstzwiebeln, Dill, Pfeffer und Knoblauch.

 

Freitag, 08.08.03

 

Ich fahre Gabi und Fetzens nach Sudersand, vorher gehen wir noch in einem Laden für gotländische Lammfellerzeugnisse einkaufern.

Gabi kauft sich ein Stirnband und Traudel eine Mütze, bevor ich die anderen am Strand abliefere.

Anschliessend fahre ich über Lärbrö und Kappelshamn nach Halls Huk.

Das kleine Fischerdörfchen schmiegt sich an eine hohe Klippe, bereits am Weg dorthin, wo sich die Wellen in die Wiese gefressen haben, ein Aufschlus, in dem ich neben Korallen und Begleitfauna auch Trilobiten finde. Am Fuss der Klippe wittern grosse Korallenstöcke in Fussballgrösse aus dem Fels.

Gegen 17.30 hole ich die Anderen wieder in Sudersand ab.

Wir fahren zum Picknick noch einmal zu den Raukaren nach Gammelhamn, dort erwartet uns ein grandioser Sonnenuntergang: Das Meer glänzt golden zwischen den Felsen, draussen tauchen Wasservögel zwischen den Wellen.

 

Samstag/Sonnteg,08/09..08.03

Abreisetag! Das Haus wird gereinigt, die Koffer gepackt, ausser einem Kaffee verzichte ich auf das Frühstück, um für die Fahrt den Magen leer zu haben.Meine Fossilien habe ich schon am Vortag in die nun fast leere Essenskiste verpackt, dann wird Alles im Wagen verstaut.

Den Tag verbringen wir in Visby, es ist immer noch Mittelalterwoche mit entsprechend gekleideten Menschen in den Strassen.

Im Museum sehen wir uns Bildsteine aus der Wikingerzeit an, Vitrinen mit den ausgegrabenen Hügelgräbern aus der Steinzeit um 4000 v.Chr. bis zur Wikingerzeit zeigen die Lage der Toten und die gefundenen Grabbeigaben, in den weiteren sind Funde aus der langen Geschichte von Gotland zu sehen, Dioramen zeigen historische Ereignisse anschaulich.

Bis 17.30 bummeln wir noch kreuz und quer durch diese schöne Stadt, Gabi kauft sich eine Lammfeldstola und Stephan besorgen wir einen Runenring aus Silber.

Wir schlendern durch den sonnenbeschienenen botanischen Garten und besuchen einen Wochenmarkt in der Stadt.

Um 17.30 Uhr fahren wir auf die Fähre und sichern uns Stühle auf dem oberen Sonnendeck.

Um 18.00 Uhr legt die Fähre ab, nach 2 Stunden verschwindet die Insel am Horizont, wir haben uns in eine Decke und einen Schlafsack gewickelt, denn hier oben bläst ein frischer Wind.

Um 21.30 Uhr noch ein bilderbuchreifer Sonnenuntergang über dem nahenden Küstenstreifen des Festlands, bevor wir um 22.10 Uhr in der Abenddämmerung den Hafen von Oslarshamn verlassen.

Ein grosser Mond bescheint die Nachtwolken über der Strasse und begleitet uns bis 2.00 Uhr, als wir Malmö erreichen.

Nur noch vereinzelt begegnen uns Autos, als wir über die 3 grossen Brücken zwischen den dänischen Inseln fahren.

Oberhalb Flensburg beginnt es im Osten um 04.30 Uhr langsam zu dämmern, zwischen Flensburg und Hamburg tanken wir noch mal, halten bei Braunschweig an einem Rastplatz um zu frühstücken, bevor wir über Halle weiter nach Südwesten fahren.

Vor Merseburg ist die Autobahn gesperrt, so dass wir in einen Stau geraten, der sich auch über die Umleitung erstreckt, so dass wir und entschliessen einen weiter gefassten Bogen zu fahren.

An den Chemiegrossanlagen von Leuna vorbei, fahren wir über Braunsbedra und das, mit Weinbergen umkränzte Freyberg, das von einer alten, mächtigen Burganlage gekrönt wird.

Über Naumburg fahren wir schliesslich wieder auf die Autobahn und über das Dreieck bayerisches Vogtland nach Haugenried.

Stepfan begrüsst uns an der Haustüre, hier war es die letzte Woche über 40 Grad heiss, so dass unser Garten ziemlich trocken ausschaut.

Mit Fetzens trinken wir auf der Terrasse noch ein Bierchen, bevor diese von Susanne und ihrem Freund abgeholt werden.

Anschliesslich fahre ich mit Gabi noch auf die Tremmelshausener Höhe in den Biergarten, wo wir uns vor und nach einem Gewitterguss noch eine Brotzeit und warmen Leberkäse zum deftigen Prössl- Bräu- Bier genehmigen.

Copyright©2004 Wolfgang Müller/Nittendorf